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Beamter von Paris; er wollte auch Vermittler unter den Familien ſeyn. Er übte auf ſie jene väterliche Gewalt aus, welche dem herr⸗ lichen Schiedsrichter an der Eiche von Vincennes“) einen ſo gerechten und unſterblichen Ruhm verlieh. In der Stille ſeines Kabinets, wo er alle Schmerzen, alles Vertrauen aufnahm, rich⸗ tete, tröſtete und verſöhnte d'Alleray die Prozeſſirenden, und ent⸗ ließ ſie beſſer und glücklicher. Durch dieſe Ausübung einer häus⸗ lichen Magiſtratur bewahrte er den Bürgern Glück und Ehre, und den Gerichten den Anſtand. Seine unveränderliche Liebe zum Gu⸗ ten bewog ihn auch, zweimal wöchentlich einen Conferenz⸗Curs für junge Räthe, die er beſonders ſich auszuzeichnen berufen glaub⸗ te, zu eröffnen.— In dieſen Conferenzen entfalteten ſich die auſ⸗ ſerordentlichen Kenntniſſe und die Tugenden dieſes wahren Beam⸗ ten, und wenn auch eine Art von Langſamkeit die Wirkungen ſei⸗ nes Geiſtes, der eben ſo geordnet, als ſein Herz rein, war, zu charakteriſiren ſchien, ſo ſchöpfte doch die, trotz ihrer natürlichen Lebhaftigkeit aufmerkſame, Jugend klare Definitionen, lichtvolle Anwendungen, und ſichere Angaben des Rechten und Unrechten, die ſich tief in ihr Gedächtniß prägten, und ſie in den Amtsver⸗ richtungen, welchen d Alleray vorſtand, leitete. Dieſer juridiſche Curs war zugleich ein ſchöner moraliſcher. Ein Zug, der dem
Dichter Chaſtenet⸗Puiſégur den Stoff zu einem Schauſpiel in 3 Akten: Der wohlthutige Richter, geliefert hat, ehret d'Al⸗ leray auf immer. Im Winter 1787 hatten die Handelswächter einen Unglücklichen wegen einer ziemlich beträchtlichen Summe ver⸗ haftet. Er war Vater einer zahlreichen Familie, und ihre einzige Stütze. Der rechtſchaffenſte Richter konnte den Armen nicht der geſetzlichen Verurtheilung entziehen. Aber der Menſchlichſte der Menſchen erwartete ihn im Gefängniſſe, und als er hineintrat⸗ fand er— d'Alleray, die Bezahlung ſeiner Schuld, und die Frei⸗ heit. Im J. 1787 ward d'Alleray Staatsrath und Mitglied der Verſammlung der Notabeln. Zwei Jahre darauf berief ihn der König zur Präſidentſchaft einer der adelichen Sectionen bei den Generalſtänden. Eine ſo ruhige Seele, wie die ſeinige, mußte durch den Ausbruch der Revolution d. J. 1789, wovon jene Ver⸗
2) Noch im 16. Jahrhundert zeigte man im Walde von Vincennes⸗ bei Paris, eine Eiche, unter welchen der heil. Ludwig ſeinen Unterthanen Recht ſprach. Würdig ſteht dem Namen des frommen
Königs der des edlen Nichters zur Seite, deſſen Leben hier die Muſe der Geſchichte zeichnet. G.


