Andréoſſi. 219
Armee. Als ſolcher ſtattete er(1800) Bericht ab über das glän⸗ zende Gefecht, in welchem eine Handvoll Franzoſen zwiſchen Nürn⸗ berg und Laufenburg ein ganzes Corps ſchlug. Er war darauf Di⸗ rector über das Kriegs⸗Depot, und ohne daß ihm jemand auf die⸗ ſen wichtigen Poſten nachfolgte, erhielt er die ſo delicate und ſchwierige Geſandſchaft an den Londoner Hof nach dem Tractat von Amiens. Als dieſer wieder aufgehoben ward, kam Andréoſſi nach Paris zurück, wurde Präſident des Wahlkolleginms von der Aube(Champagne), ſpäter Reichsgraf, Kandidat des Senats/ Ge⸗ ſandter zu Wien, und 1809 Gouverneur dieſer Stadt nach der Schlacht bei Wagram ⁴). Nach ſeiner Rückkehr vertraute man ihm die Geſandtſchaft bei der ottomanniſchen Pforte an. Sein Benehmen auf dieſem ſchwierigen Poſten, der edle und ſtandhafte Schutz, welchen er den in jenem Lande angeſiedelten Franzoſen und dem Handel Frankreichs in der Levante angedeihen ließ, die Auf⸗ richtigkeit, die er bei ſeinen Verhältniſſen mit den Miniſtern der Türkei zeigte, machten es lebhaft bedauern, daß ihn der König, mit Zuſendung des St. Ludwigskreuzes, den 14. Auguſt 1814 ab⸗ rief, und an ſeine Stelle den Marquis von Rivière ernannte. Als die Begebenheiten von 1815 Frankreich und Europa überraſchten, er⸗ ſchien der General Andréoſſi, welcher einige Zeit der Ruhe, deren ihn ſein militäriſches Glück beraubt hatte, genoß, wieder auf der politi⸗ ſchen Bühne, und gab ſeinen Namen zu der bekannten Delibera⸗ tion des Staatsraths**) vom 27. März 1815. Man ſah ihn hier⸗ auf eine Pairie, die aber nur momentan war, und die Präſiden⸗ tenſtelle der Kriegsſection annehmen. Napoleon wollte ihm die Geſandtenwürde bei der hohen Pforte wieder verleihen; aber er ſchlug ſie aus. Er befand ſich nun bei der mit Berichterſtattung über die Maasregeln zur allgemeinen Sicherheit be⸗ auftragten Commiſſion, und nach der Schlacht bei Waterloo war er einer der zu den fremden Heeren geſandten Kommiſſarien. Doch konnte er nicht zum General Blücher ſelbſt gelangen, deſſen erſte Kolonnen ihm und ſeinen Kollegen bei Pont Sainte Marxence be⸗ gegneten.— Der Graf Andréoſſi war auch durch ſeinen Aufenthalt in Konſtantinopel den Wiſſenſchaften nützlich. Seine Nachfor⸗ ſchungen am Bosphorus und in mehreren Theilen des osmanniſchen
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*) Auch 1805 kommandirte er en chef die Artillerie im Kriege ge⸗ gen Oeſterreich.
elehe die Abdankung Napoleons im J. 1814 für nichtig er⸗ irte. G.


