Andreé. 215
„Abſcheu ein, wie der gekrönte.“ Bei dieſem Anlaß erſuchte der Präſident die Deputirten, der von dem Geſetze geheiligten Formel keine Ausdehnung zu geben. André ſprach gegen das Geſetz, wel⸗ ches, die Anverwandten der Emiggrirten von jedem öffentlichen Amt ausſchloß, und hatte deswegen einen lebhaften Wortwechſel mit ſeinem Kollegen Legot. Als die Munizipalität von Toulouſe im Verdacht war, die dortigen Unruhen erregt zu haben, verſprach André, jeden, der ſie denuncire, zu unterſtützen, und hielt ſich zu denen, welche die Demokraten als Anſtifter beſchuldigten. Das Direktorium wollte, daß die Wahlmänner Haß dem Königthum ſchwören ſollten; André bekämpfte ſtark dieſen Vorſchlag. Am 18. Fructidor(1797) ſetzte ihn das Direktorium, gegen welches er laut ſeinen Haß ausgeſprochen, auf die Deportations⸗Liſte. Er nahm die Flucht, und ging nach Deutſchland, wo er ſich mit Wärme an die Sache der Bourbons anſchloß. Nach dem 18. Brumaire kam er nach Frankreich zurück; aber die Konſular⸗Regierung verwies ihn nach Tonlouſe unter die Oberaufſicht der Behörden. Endlich erhielt er die Freiheit, in ſein Departement zurückzukehren. Den 18. Auguſt 1814 ward André von dem Könige geadelt, und den 15. October mit dem Orden der Ehrenlegion geſchmückt. Im fol⸗ genden Jahr wurde er Mitglied jener Deputirten⸗Kammer, welche ſich 1815 eine ſo unglückliche Celebrität erworben, und wahrſchein⸗ lich gegenwärtig unauffindbar(introuvable) ſeyn würde.
André(Johann), geb. zu Offenbach, den 28. März 1741, geſt. um 1800, war einer der berühmteſten neuern Tonkünſtler Deutſchlands. Die dramatiſche Gattung fand keinen in dieſem Lan⸗ de, der mehr Anmuth und Heiterkeit in ſeine Compoſitionen legte, als er. Zum Handel beſtimmt widmete ſich André lange dieſem Geſchäft; ohne Meiſter und ohne Beihülfe erlernte er die Violine und das Klavier. Das Choralbuch von König diente ihm lange zum Studium der Harmonie. Er begann mit einigen Stük⸗ ken für Inſtrumentalmuſik, verfertigte ſeine komiſche Oper: Der Thürſteher, und ermuthigt durch deren Erfolg verkaufte er ſeine Handelsniederlage, ward zur muſikaliſchen Direction nach Berlin berufen, gab auf der dortigen Bühne eine Menge Opern*), die Glück machten, und erhielt die Stelle eines Kapellmeiſters bei dem Grafen von Brandenburg⸗Schwedt. Er errichtete in Offenbach — O—
*) Eine ſeiner früheren Operetten war die Infantin von Zamo⸗ ra. Unter den übrigen Compoſttionen für Geſang zeichnet ſich die trefliche der ſchönen und rührenden Ballade Bürgers: Des Pfar⸗ rers Tochter von Taubenhain, aus. G.
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