Amyot. Ancelot. Ancillon. 207
Rath der Alten bis 1797. Seitdem erſchien er nicht mehr auf der politiſchen Bühne, und ſtarb in ſeiner Heimath.
Ancelot(N.), geb. zu Havre um 1795, trat zuerſt mit ei⸗ nigen Vandevilles, aber ohne Erfolg, auf. Er hatte nicht das Ta⸗ lent, ein Epigramm zu ſchärfen, aber das, ſeinen Gedanken ein leichtes und glänzendes poetiſches Gewand zu geben. Seine Tra⸗ gödie Ludwig[X., die bei der Vorſtellung günſtig aufgenommen ward, iſt ein erſter Verſuch, der Hoffnungen erweckt. Man ſchreibt ihm auch einige komiſche Opern zu.
Ancillon(Johann Peter Friedrich), ein berühmter Profeſſor, Prediger und Hiſtoriker, wurde zu Berlin, den 30. April 1766, geboren. Seine Ahnen waren berühmte Franzoſen, die man ihrer religiöſen Meinungen wegen verfolgte. Sein Ur⸗ großvater, David Ancillon, aus Metz, Sohn eines geſchickten Juriſten vom kalviniſchen Glaubensbekenntniß, hatte bei den Je⸗ ſuiten ſtudirt, welche, trotz ihrer argliſtigen Einflüſterungen, ihn nicht zur Annahme der katholiſchen Religion bewegen konnten. Aber der, für Frankreich ſo unſelige, Widerruf des Edikts von Nantes, zwang ihn, auszuwandern, und erſt nach Frankfurt und dann nach Berlin zu flüchten. Sein Sohn Karl Ancillon er⸗ langte zu Metz als Advokat einen großen Ruf, und wurde von den dortigen Reformirten an den Hof geſandt, um für ſie eine Aus⸗ nahme von jenem traurigen Widerrufe zu erbitten. Aber es ge⸗ lang ihm nicht, ungeachtet er treffliche Beweisgründe gab, daß die Verfolgung der Reformirten dem Intereſſe Frankreichs nachthei⸗ lig, und das Edikt von Nantes, nach den Grundſätzen des Rechts und der Politik, unwiderruflich ſey. Darum entſagte er ſeinem Vaterlande, und ging zu ſeinem Vater nach Berlin. Seine per⸗ ſönlichen Eigenſchaften, und der beredte Eifer, mit dem er ſeine un⸗ glücklichen Landsleute vertheidigt hatte, erwarben ihm bald eine große Achtung. Er wurde Aufſeher über alle Gerichte der nach Preußen entftohenen Franzoſen, und am Ende Geſandtſchaftsrath, königli⸗ cher Hiſtoriograph, und Vorſteher der franz. Schule zu Berlin, wo er 1715 ſtarb. Johann Peter Friedrich Ancillon, von dem der gegenwärtige Artikel handelt, zeigte ſchon frühe ſehr glückliche Anlagen*). Er legte den Grund zu ſeinem Glücke durch eine Nede, die er 1791 zu Rheinsberg, vor dem Prinzen Heinrich von Preußen, bei der Einſegnung eines Ehebündniſſes, ——
*) Er war der Sohn des geiſtvollen Ludwig Friedrich Aneil⸗ lon, der die Studien ſeines Sohns leitete. G.


