202 Ammon. Amoretti.
Theologie und Prediger zu Göttingen, und daſelbſt 4803 Konſiſto⸗ rialrath. Im folgenden Jahre berief man ihn wieder nach Erlan⸗ gen als Direktor des homiletiſchen Seminariums. Verſchiedene theologiſche Abhandlungen und Reden haben ihn ſowohl als wiſ⸗ ſenſchaftlichen Kopf, dar als Anhänger der Orthodonie, bekannt gemacht. Von ſeinen Schriften bemerken wir: Die Geſchichte der homiletiſchen Theologie, den Aten Theil des neuen griech. Teſta⸗
ments mit Kopp's Commentar, das Rürnberger theol. Journal,
die griechiſche Ueberſetzung der 5 Bücher Moſes, nach dem Meß⸗ buch der Bibliothek von St. Marcus, und mehrere Aufſätze gegen das Kantiſche Syſtem. Eine umfaſſende Gelehrſamkeit, eine feſte oder ſcharfſinnige Kritik, ſind die Waffen, deren ſich dieſer prote⸗
ſtantiſche Theolog gegen den ſeltſamen*) Rieſen der deutſchen Me⸗
taphyſik bediente. Aber dieſe Waffen ſind ſchwach gegen den Mann, der die Geheimniſſe des menſchlichen Denkens ſo tief erforſchte. Ammon konnte ihm nicht immer in den Wendungen und Dunkel⸗ heiten ſeines ideologiſchen Skepticismus folgen. Ueberall, wo Kant ſich fragt: Warum?— Wie?— Zu welchem Zweck? glaubt jener Gelehrte ihm durch bibliſche Citationen antworten zu können. Auf dieſe Weiſe mußte man den kühnen Neuerer, welcher der Vernunft, den Sinnen, allem Glauben, und aller Realität
den Prozeß macht, bekämpfen.**) Man kann übrigens bei die⸗
ſem mißlichen Streit die Autorität des Seribenten in Zweifel zie⸗ hen, der in der Regensburger Ze itſchrift ernſtlich zu be⸗ weiſen trachtete, daß die Muſik des Himmels herrlich, lieblich, melodieenreich und Puu kräftiger Harmo⸗ nie ſey, und daß die Chöre der Engel den italieni⸗ ſchen Fugen gleichen müſſen.
Amoretti(der Abt Karl), ein berühmter italieniſcher Mineralog, wurde im Mailändiſchen, um 1743 geboren. Er iſt Mitaufſeher der ambroſianiſchen Bibliothek zu Mailand, und be⸗ kannt durch ſeine Reiſe von Mailand nach den drei Seen,(dem von Como, Lugano und dem Lago Maggiore). Die⸗ ſes Werk enthält eine genaue und merkwürdige Beſchreibung aller
mineraliſchen Subſtanzen, die ſich an den von dem Autor erforſch⸗
*) Ich mußte den Ausdruck des Driafnals: Bizarre, die edlere Bedeutung geben, wenn er mit dem, was gleich darauf geſagt iſt, im Einklag ſtehen ſoll. G. **) Ich überlaſſe den kritiſchen Philoſophen, dieſe gewaltſame Be⸗ hauptung zu widerlegen. G.
—


