Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Ameilhon. 195

Ameilhon(Hubert Pascal), ein Mann von Gelehr⸗ ſamkeit und zugleich von Geſchmack, was zur Zeit eines Schop⸗ pius und Salmaſius ſich ſelten vereinte. Als Ameilhon, Dekan und Präſident des Nat. Inſtituts, im J. 1800 die jungen Künſt⸗ ler, welche den Preis erhalten, krönte, ſchilderte er mit beſonde⸗ rem Scharfſinn den Zuſtand der ſchönen Künſte im Alterthum, und erinnerte daran, daß ſie damals nicht blos Gegenſtände des Luxus und der Ergötzlichkeit, ſondern weſentliche und koſtbare Be⸗ ſtandtheile der öffentlichen Einrichtungen geweſen ſeyen. Indem er dieſe Wahrheit darlegte, zeigte der gelehrte Akademiker, es heiße nur die ſchönen Künſte verſchlingen und ſeine eigne Niedrig⸗ keit beweiſen, wenn eine Nation ſolche ihres edlen Einfluſſes auf die öffentliche Moral beraube, ſie dem Laſter oder der Gewalt Preis gebe, und, anſtatt durch ſte gleichſam ein Prieſterthum der Phantaſie und Intelligenz zu gründen, ſie zu Spielen der Leicht⸗ fertigkeit und zu Werkzeugen der Verdorbenheit herabwürdige. Dies war die fortwährende Tendenz der gelehrten Arbeiten Ameil⸗ hons. Er wurde den 5. April 1730 zu Paris geboren, und er⸗ langte frühzeitig einen Ruf durch ſeine Geſchichte des Han⸗ dels und der Schäffahrt der Aegyptier unter den Ptolemäern. Ein dunkler und ſchwieriger Stoff! Aber die Ar⸗ beit wurde durch den vollkommenſten Erfolg gekrönt. Nach dem Tode Lebeau's erhielt Ameilhon den Auftrag, die Geſchichte des Niederreichs(Bas-Empire) fortzuſetzen. Auch dies Werk trägt den Stempel eines ſcharfſinnigen und philoſophiſchen Gei⸗ ſtes; aber wie faſt bei allen Modernen, erſcheint hier die Geſchichte farbenlos, unbelebt, und mehr geſchickt analyſirt, als mit großen Zügen dargeſtellt*). Nachdem er von der Akademie der Inſchrif⸗ ten drei Preiſe erhalten, ward er in dieſelbe aufgenommen. Den übrigen Theil ſeines Lebens widmete er der Redaction von Jour⸗ nalen, namentlich des Verſailler, der Anordnung öffentlicher Bi⸗ bliotheken, und antiquariſchen Nachforſchungen. Ehemals beſchäf⸗ tigten ſich manche Gelehrte mit weitſchweiſigen Commentaren, um⸗ ſtändlichen Erläuterungen, öfter erzwungenen Etymologieen, lan⸗ gen und unfruchtbaren Unterſuchungen über den Sinn eines Worts, einer alten Gewohnheit, einen Brief, oder einen Accent. Ameil⸗

*) Wenn dies auch im Ganzen wahr iſt, ſo giebt es doch Ausnahmen unter den Neuern, nämlich die, ſo aus der ächten und reichen

Quelle der Alten ſchöpften, wie unſere J. Müller, Poſſelt ꝛc⸗

In der Lebendigkeit der Gemälde glänzt Voltaire unter den Fran⸗ zoſen. G. 3