Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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194 Ameilh.

Weg nicht fortſetzte, erwartete Ameilh zu Lyon die Ankunft Na⸗ poleons, der ihn nach Auxerre ſandte, wo er auf Befehl des Kö⸗ nigs arretirt und in das Militärgefängniß der Abtei gebracht wurde. Man hielt ihn dort feſt bis zur Ankunft Napoleons, unter welchem er wieder Dienſte nahm. Im Juli des nämlichen Jahrs, als er bei Iſſoudun ein Corps Kavallerie befehligte, ſchrieb er an den König folgenden Brief:Getroffen vom Unglücke Frankreichs, überzeugt, daß es nur die Vereinigung aller Franzoſen enden kann, in der Gewißheit, daß Ew. M. der Nation und der Armee jede Rück⸗ wirkung und jede Verfolgung wegen politiſcher Handlungen und »Meinungen erſparen werden, wende ich mich ehrfurchtsvoll an Sie mit der Verſicherung meiner Unterwerfung. Ich biete Ih⸗ nen meine Dienſte für die Vertheidigung des Vaterlandes und der Geſetze an. Sire, Ew. Majeſtät werden ſich bei den Inter⸗ yeſſen Frankreichs und des Throns erinnern, daß der Friede, wel⸗ ycher dem bürgerlichen Kriege während der Minderjährigkeit Lud⸗ wigs XIV. ein Ziel ſetzte, alles Vergangene gänzlich vergeſſen machte, und daß aus der Partei der Fronde*) Turenne, Condé und andere Männer, welche die Regierung dieſes großen Königs verherrlicht haben, hervorgingen. Ich lege zum Fuße des Thro⸗ nes Ew. M. die Verſicherungen der ehrfurchtsvollſten Ergeben⸗ heit. Dieſer Unterwerfungsakt wurde nicht angenommen, und der General Ameilh, der erfuhr, daß er, zufolge der Ordonnanz vom 24. Juli, vor ein Kriegsgericht geſtellt werden ſollte, hielt für gut, Frankreich zu verlaſſen. Er flüchtete ſich nach England, nachdem er vorher Plünderung erlitten. Von dort ging er nach dem Hannöverſchen, und hatte den Vorſatz, zu dem Könige von Schweden zu reiſen, bei dem er einen guten Empfang hoffte, weil er ſein Waffengefährte war. Aber auf dem Wege, ſich einzuſchif⸗ fen, ward er in Lüneburg verhaftet, und zu Hildesheim als Staats⸗ gefangener eingezogen. Durch die Furcht, entweder nach Frank⸗ reich ausgeliefert, das heißt, einem gewiſſen Tod übergeben zu werden, oder hier ewig gefangen zu ſeyn, unterlag ſeine Vernunft einem ſolchen Mißgeſchick. Er blieb ſeitdem in beſtändiger Gei⸗ ſteszerrüttung, in der ihm wenigſtens das Unglück ſeiner Auswan⸗ derung fremd iſt. Glückliche Täuſchungen hat der Wahnſinn, aber nicht die Verzweiflung!

*) Dicjenige Faction, welche ſich während jener Minderjährig⸗ keit dem Hofe und dem Miniſter Cardinal Mazarin widerſetzte.

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