Ambroſio. 189
Jahre nachher war er alle Grade der Armee durchgangen, und jetzt Generallieutenant. Ambroſio dankte vorzüglich ſeine Beförderung den günſtigen Glücksfällen, welche die faſt tägliche Vergrößerung der Cadres*) einer ſich neu bildenden Armee darbietet. Während dieſer kurzen Zeit diente er in Italien, Spanien und Calabrien. Er war Capitän und Aide⸗de⸗Camp des Grafen Matthien Dumas, Kriegsminiſter unter dem König Joſeph, und von dieſem als Ba⸗ taillonschef nach Spanien geſendet, wo er verwundet ward. 1809 ernannte ihn der König Joachim zum Oberſten des Regiments Royal⸗Samnite, daß er in kurzer Zeit mit dem größten Erfolg organiſirte. An der Spitze dieſes Regiments nahm er an der Un⸗ ternehmung auf Sicilien Theil, die der Diviſions⸗General Ca⸗ vaignac kommandirte. Nachdem er den größten Theil der Truppen wieder einſchiffen laſſen, wollte er ſelbſt folgen. Aber, obgleich er ſchon im Meere war, erreichte ihn dennoch die engliſche Kavalle⸗ rie und nahm ihn gefangen. Er wurde nach Malta geſchickt, all⸗ wo, wenn er auch nicht frei auf ſein Ehrenwort war, ihm doch der Gouverneur alle Art von Nachſicht bewilligte. Er benutzte ſie, um während eines Feſtes, welches der Gouverneur gab und bei dem er ſelbſt anfangs erſchien, zu entwiſchen. Als er ſein Vorha⸗ ben ausführen wollte, ſchlug er den mit ihm gefangenen franzöſi⸗ ſchen Offizieren vor, ſich ſeiner Mittel und Wege zu bedienen; aber ſie weigerten ſich deſſen. Sobald es der Gouverneur erfuhr, ſandte er ſie auf ihr Ehrenwort zurück, und bald darauf bewilligte die engliſche Regierung ihre definitive Auswechſelung:; doch verwei⸗ gerte ſie ſtandhaft die des Generals Ambroſio. Bei ſeiner Rück⸗ kunft(1841) wurde er zum Marechal⸗ de⸗Camp ernannt, und be⸗ fand ſich in dieſer Eigenſchaft im Feldzuge 1813 in Sachſen unter dem Armee⸗Corps des Generals Grafen Gérard. Als er im näm⸗ lichen Jahr nach Neapel zurückkam, ward er Generallientenant, und Aide⸗de⸗Camp des Königs. 1814 wurde dieſer General mit dem Prinzen Cariati und dem Herzoge von Campo Chiaro auf den Wie⸗ ner Congreß geſandt, um das Intereſſe des Königs Joachim zu vertheidigen. Sein Benehmen bei dieſer Sache zog ihm die ſchwer⸗ ſten Beſchuldigungen zu. Man klagte ihn, ohne Zweifel mit Un⸗
—*) Dieſer Ausdruck, welcher wohl auch: Stock der Regimenter, überſetzt wird, iſt allgemein im Deutſchen aus dem Franzöſiſchen angenommen. Er bezeichnet die Zahl der Offiziere und Unteroffi⸗ ziere, welche vorläuſig für neu zu errichtende Corps ernannt ſind.
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