186 Ambert.
genden Friedensſtifter mitten unter die wüthendſten Parteien ſtellen. Er fühlte es, und zog ſich gleich nach ſeiner Ankunft anf das Land zurück. Da er den dortigen Angelegenheiten keine nützliche Rich⸗ tung geben konnte, verweigerte er, Theil daran zu nehmen. So verſtrichen vier Jahre, als— ſonderbar genng— ein Abſetzungs⸗ Dekret vom 23. Auguſt 1808 ihm eine Gewalt nahm, von der er nie Gebrauch gemacht, und ihn als Staatsverbrecher bezeichnete. Er will die Inſel verlaſſen; man ſchlägt es ab. Er verlangt, ru⸗ hig in ſeiner Einſamkeit zu bleiben; man ſchlägt es ab. Endlich begehrt er, daß ſein Betragen unterſucht werde, und das(1812) von einem Reichsmarſchall präſidirte Gericht erklärt ihn für un⸗ ſchuldig, und läßt über dieſe Sache einen eben ſo feierlichen, als für den General ehrenvollen, Spruch ergehen. Iezt tritt er wie⸗ der in Thätigkeit; ein Dekret vom 17. April 1812 ernennt ihn zum Befehlshaber der 11. Militär⸗Diviſion in Holland: er zieht ſich durch das aufrühriſche Friesland zurück, eilt nach Antwerpen, und feſſelt noch das Glück, welches die franzöſiſchen Adler verlaſſen will, durch verſchiedene kriegeriſche Operationen. Am 13. Januar 1844 widerſteht er bei Merxen mit 3000 Franzoſen 12000 Mann von der engliſchen Armee und einem Corps von 5000 Preußen: der General Graham befehligte die feindlichen Truppen, der Herzog von Clarence war zugegen. Zwei Stunden lang glauben ſich die Franzoſen ohne Rettung; dem General Ambert gelingt es, ſie frei zu machen, und er ſchlägt ſich fort bis in die Nacht, die ſeinen Rückzug begünſtigt. Einige Zeit darauf verwundet, ging er nach Frankreich zurück mit einer Truppen⸗Kolonne und einem Artille⸗ riepark, als wunderbar geretteten Trümmern. Im Jauuar 1815 wurde er zum Kommandanten der 9. Militär⸗Diviſion ernannt, und gab, um den ruhig triumphirenden Marſch Napoleons aufzu⸗ halten, Rathſchläge, die nicht befolgt wurden. In der Folge glaubte er, in der Gewalt der Dinge und in der Furcht vor einem Bürger⸗ kriege hinlängliche Beweggründe zur Rechtfertigung ſeiner Anhäng⸗ lichkeit an die kaiſerliche Regierung zu finden, und erfuhr die Ab⸗ ſetzung. Er hatte damals den Befehl über die Vertheidigungslinie des Kanals vom Oureq*), und kommandirte den linken Flügel der Loire⸗Armee zur Zeit ihrer Aufiöſung. Die Beziehungen mit den Anführern der Vendeer Truppen waren delikat und ſchwierig. Er wußte ſich in ſo mißlichen Umſtänden ziemlich geſchickt zu beneh⸗ men, ſo daß der Munizipalrath von Tours eine feierliche Dankſa⸗ gung an ihn ergehen ließ. *) Ein Fluß, der ſeine Mündung in der Marne hat. G.


