Alyon. Amalia. 179
ſellſchaft eine Abhandlung über die Verwahrungsmittel gegen das veneriſche Gift vor. Er beharrte nicht auf ſeinem Verlangen, eine Krankheit, der ſchon ſo viele geopfert wurden, wo möglich zu ver⸗ tilgen. Die ſyſtematiſchen Zweifel eines Freundes brachten ihn davon ab. Dieſer ſeltſame Moraliſt fand die Fortpflanzung des Uebels als einen Zaum für die Unordnungen der zu wenig from⸗ men Jugend dienlich. Man hat von Alyon mehrere Schriften über chemiſche und mediciniſche Gegenſtände, vorzüglich ſeinen, in alle Sprachen Europa's überſetzten, Verſuch über die medi⸗ ciniſchen Eigenſchaften des Sauerſtoffs. Nach dem Tode des Herzogs von Orleans wurde er zu Nantes mehrere Monate gefänglich gehalten. Nach ſeiner Befreiung dirigirte er die Phar⸗ macie⸗Anſtalt von Val⸗de⸗Grace und hierauf die des Hoſpitals de la Garde. Jetzt iſt er Mitglied des Pharmacie⸗ Collegiums und der mediciniſchen Geſellſchaft zu Paris, ſo wie mehrerer gelehrten Societäten. Amalia, Herzogin von Sachſen⸗Weimar, aus dem Stamme der Guelfen, wurde in Italien geboren, und vermählte ſich 1756 mit dem Herzoge Ernſt Konſtantin von Sachſen⸗Weimar. Zwei Jahre darauf war ſie ſchon Wittwe, und befand ſich im Alter von 19 Jahren an der Spitze der Regierungsgeſchäfte. Trotz ihrer Ju⸗ gend und den Uebeln des ſiebenjährigen Kriegs regierte ſie mit ſo vieler Ordnung, Sanftmuth und Klugheit, daß ſie Verluſte, die in jener unglücklichen Zeit unvermeidlich waren, wieder erſetzte, und es gelang ihr ſelbſt, die Staatskaſſe zu füllen, ohne das Volk zu belaſten. Vorzüglich erkannte man im J. 1772 die Weisheit ihrer Verwaltung; denn ſie wußte aus ihren Landern den Mangel in entfernen, der einen großen Theil von Deutſchland drückte. Sobald ihr Sohn volljährig war, übergab ſie ihm die Herrſchaft, welche ſie ſo achtungswerth geführt. Die Prinzeſſin Amalia hat noch andere Anſprüche auf Unſterblichkeit. Sie beſchränkte ſich nicht auf die Sorgen der Gegenwart; ſie wollte dem öffentlichen Glück dauerhafte Mittel bereiten. Sie begünſtigte die Verbreitung lichtvoller Kenntniſſe und die Fortſchritte der usbildung, ſo weit ſich ihr Einfluß erſtreckte. Sie errichtete, veyollkömmnete oder beſchützte zahlreiche literariſche Anſtalten und alle Unternehmun⸗ gen der Induſtrie. Sie nahm Gelehrte und ausgezeichnete Schrift⸗ ſteller auf. Die Herder, Göthe, Böttiger, Schiller, und andere berühmte Männer, Deutſche und Ausländer/ waren das Vergnü⸗ gen ihres Ruheſitzes, nachdem ſie ihren Hof verſchönt hatten. Man ſah dort auch Monnier, deſſen Verdienſt ſich ſelbſt in der


