Alton. Alvensleben. 175
Weiſe nur der Wahl eines ſolchen Befehlshabers zuzuſchreiben wa⸗ ren,) auf's äußerſte gebracht, befahl ihm, nach Wien zu kommen. Man verhaftete ihn einige Tagreiſen von dieſer Hauptſtadt. Der Kaiſer, um ſowohl ſeinem erzürnten Gefühle Genugthuung zu lei⸗ ſten, als um die Belgier zu beruhigen, befahl die Errichtung einer
Militär⸗Eommiſſion zu Luxemburg. Der General ſchien unfehlbar
verurthettt werden zu müſſen; aber gegen Ende des Decembers
1789 ſtarb er, ehe er dorthin kam, einige Stunden von Linz. Seine
Todesart iſt noch unbekannt: man glaubt, er habe ſich vergiftet. Dieſe Begebenheiten, welche eine große Senſation in Europa ge⸗ macht, wurden bald vergeſſen. Die franzöſiſche Revolution begann. Sie beſchäftigte alle Geiſter ſo ſehr, daß man auf das, was ſich in Belgien zugetragen, wenig achtete. Wenn man die Urſachen
dieſer beiden Revolutionen mit einander vergleicht, ſo kann man
nicht umhin, zu bemerken, daß die franzöſiſche durch das Volk ge⸗ gen den Adel und die Geiſtlichkeit entſtand, deren Privilegien die Regierung aufrecht halten wollte, während ſich in Belgien die Völker gegen die Regierung bewaffneten, die einen Theil der Pri⸗ vilegien des Adels und der Prieſterſchaft zu zerſtören trachtete, und daß in beiden Ländern das Loſungswort: Freiheit! war.
Alton(Graf von), Generallieutenant im öſterreichiſchen Dienſte, zeichnete ſich zuerſt im Türkenkriege aus. Er hatte dem Buchdrucker Joubert verſprochen, Denkſchriften zur Rechtferti⸗
gung ſeines verſtorbenen Bruders, des Grafen Richard d' Alton,
herauszugeben. Dies verurſachte am 20. März 1792 ſeine und des
Buchdruckers Verhaftung. Im folgenden Monat wurde er bei der
Armee der Niederlande gegen die Franzoſen, als Befehlshaber ei⸗
ner Diviſion, angeſtellt. Er war bei der Belagerung von Valen⸗
ciennes, und ſtand dort unter dem General Ferrari. Hierauf kom⸗ mandirte er die öſterreichiſchen Truppen, welche, gemeinſchaftlich
mit dem Herzoge von York, zur Belagerung Dünkirchens beſtimmt
waren. Den 24. Auguſt 1793 erfolgte bei dieſer Stadt eine blutige
Schlacht, in welcher der Graf d'Alton getödtet wurde*).
Alvensleben(Philipp Karl, Graf von), geb. zu Hannover, am 12. December/1745, Sohn eines Geheimenraths im Kriegsdepartement. Seinen erſten wiſſenſchaftlichen Unterricht erhielt er in Magdeburg zugleich mit Friedrich Wilhelm II., nach⸗
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* 8, ) Er ſoll, als ein wohlgeſinnter und tapferer Feldherr, allgemei⸗ nes Bedauern erhalten haben. G.


