Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
Einzelbild herunterladen

114 Albufera.

der Kapitulation Freiburgs, und an dem Gefechte, welches bei der Brücke von Seuvine vorfiel, nach welchem die Armee bis unter die Mauern Berns vorrückte und ihre Vereinigung mit den vom Rhein gekommenen Truppen bewirkte. Das glänzende Betragen Suchet's in dieſem Feldzuge erwarb ihm die Ehre, 23 vom Feind eroberte Fahnen nach Paris zu bringen. Den 23. März wurde er zum Grade eines Brigade⸗Geueralz erhoben, und mit zur Unterneh⸗ mung auf Aegypten beſtimmt. In dieſer Epoche drohte der italie⸗ niſchen Armee eine gänzliche Desorganiſation. Das Anſehen der Generäle und Offiziere wurde nicht mehr erkannt; die Disciplin und das Vertrauen mußten wieder hergeſtellt werden. Dieſe Gründe bewogen den Obergeneral Brune, den General Suchet nicht nach Aegypten abgehen zu laſſen, ſondern ihn zum Chef ſeines General⸗ ſtabs zu ernennen. Bald wurde der Sold ausbezahlt und die Ord⸗ nung neu befeſtigt. Einige Monate hernach ſetzte Suchet den näm⸗ lichen Dienſt unter dem General Joubert fort, deſſen Freund und Ruhmgefährte er war. Von dieſer Zeit an gewahrte man bei Su⸗ chet jene ſtandhafte Thätigkeit für die Organiſation und Verwal⸗ tung der Truppencorps und beſonders das ſeltene Talent, die Sol⸗ daten durch ſein Beiſpiel zu leiten, und ſolche für ſich zu gewinnen, welchen Zweck er ſowohl durch ſeine Feſtigkeit in Erhaltung der Dis⸗ eiplin, als durch den Eifer, die Thaten des Kriegers neu zu bele⸗ ben und ſeine Begeiſterung für den Ruhm zu entflammen, erreichte. Eine furchtbare Koalition zwiſchen Rußland und Oeſterreich, und der Marſch eines ruſſiſchen Truppencorps nach Italien verkündig⸗ ten ungeheure Projekte. Piemont erregte Beſorgniſſe, und bedrohte durch ſeine Lage die Sicherheit der Armee. Der General Joubert erhielt gegen Ende 1798 Befehl, dieſes Land zu beſetzen. Suchet veranſtaltete dieſe uUnternehmung, und durch ſeine Sorgfalt wurde ſie ohne Blutvergießen beendigt. Als er mit der Wiederorganiſi⸗ rung der Armee beſchäftigt war, ſah er ſich in Oppoſition mit den Kommiſſarien des Direktoriums*), welche die in Italien erhobe⸗ nen Gelder nach Frankreich ſenden wollten, da ſie doch zum Unter⸗

halt einer ſorgfältig gebildeten Armee unumgänglich nöthig waren.

Dieſe Zwiſtigkeiten veranlaßten einen Beſchluß, nach welchem er bedroht war, auf die Liſte der Emigranten geſeßt zu werden, wenn

*) Es befanden ſich damals ſogenannte Sivilkommifſäre bei den Armeen, welche über die Verwendung der erhobenen Contri⸗ butionsgelder, auch wohl über das Betragen der Anführer und ibrer Untergebenen wachen, und der Regierung davon Bericht er⸗ katten ſollten. G.