Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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406 Albitte.

er die zehnjährige Verbannung des Miniſters Roland, und erwirkte, daß man die Generäle Eſtourmelle und Ligneville verhaftete, und der vormalige Geſetzgeber Matthieu Dumas unter Aufſicht geſetzt wurde: Als Kommiſſär bei der Alpenarmee ſtattete er über die mit dem General Cartaux, zur Unterwerfung der Rebellen des Südens, genommenen Maasregeln Bericht ab, ließ den in Savoyen kom⸗ mandirenden General Brunet vor daß Revolutionsgericht ziehen⸗ durch deſſen Spruch er für ſeine Dienſte auf dem Schaffott ſtarb⸗ und trug darauf an, daß dieienigen, welche die Belagerung von Lyon geleitet, über ihr Benehmen Rechenſchaft geben ſollten. Vor ſeiner Sendung in die Departemente des Ain und Montblane(Bur⸗ gund und Savoyen) ſchrieb er, daß der Aberglaube und die Schlöſ⸗ ſer zerſtört und die Güter der Verdächtigen zum Dienſte der Re⸗ publik wären. Er ſuchte hierauf bei der Gemeinde Paris die Ge⸗ nehmigung ſeiner Beſchlüſſe nach, aber mehrere Anklagen werden aus den zwei obigen Departementen gegen ihn eingeſandt. Er be⸗ ſchwert ſich bei der Nat. Convention und dem Jakobinerklub über ſo viele, gegen die dem Vaterlande treuen Deputirten gerichtete, falſche Beſchuldigungen, und widerſteht jedem Angriff. Aber der Aufruhr vom 1. Preireal 3.(ſ. die Tabelle) endet ſein Glück. Er hatte am nämlichen Tage begehrt, daß das durch die Abweſen⸗ heit der Sekretäre erledigte Staatsbureau mit den bei den Armeen geweſenen Repräſentanten beſetzt werden ſollte. Delahaye erhebt ſich gegen ihn, und beſchuldigt ihn, einer der Urheber des Auf⸗ ſtandes geweſen zu ſeyn. Der Präſtdent befiehlt, ihn nicht aus dem Saale gehen zu laſſen; Tallien ſtimmt für ſeine Verhaftung, Ver⸗ nier klagt ihn an; Albitte, der jüngere, ſein Bruder, vertheidigt ihn mit Wärme, aber ohne Erfolg. Er wird, nebſt ſechs andern in Anklageſtand erklärt, doch gelingt es ihm, ſich durch die Flucht zu retten. Die Militär⸗Kommiſſion, welche ſeine Mitbeſchuldig⸗ ten richtet, verurtheilt ihn in contumaciam. In der Amneſtie vom 4. Brumaire mitbegriffen, erſcheint er wieder. Albitte⸗ den die Revolution noch ſehr jung überraſchte, überließ ſich mit aller Heftigkeit ſeines Alters der übertriebenſten demagogiſchen Be⸗ geiſterung. Seine Verirrungen machten mehr als einmal die Menſchlichkeit ſchaudern. Bei der Vorſtellung der Tragödie Ca⸗ jus Gracchus, von Chonier, wagte er es, ſich allein gegen das Publikum zu erheben, welches dem ſchönen Halbverſe: Ge⸗ ſetze, und kein Blut! mit feurigem Beifall antwortete, und verlangte Blut, und keine Geſetze! Hatte das Direktorium keine Schaam, nach ſolchen Dingen ihm die Amtsverrichtungen