Albani von Urbino. Albani. 94
dert. Hierauf zog er ſich in ſeine Abtei Crope zurück, und ging alsdann nach Neapel, welches ihn aber bald die Annäherung der Franzoſen zu verlaſſen zwang. Endlich hielt er ſich in Venedig auf, wo er kräftig mitwirkte, Pius VII. zum Pabſte zu erheben. Aber dieſer, obſchon durch den Einfluß Oeſterreichs und den Cre⸗ dit eines von demſelben abhängigen Kardinals ernannt, war ſo⸗ gleich beſorgt, die franzöſiſche Republik mit dem päbſtlichen Stuhl zu verſöhnen. Kurze Zeit hernach ſtellte er, vermittelſt des mit dem erſten Konſul geſchloſſenen Konkordats, den katholiſchen Kul⸗ tus in Frankreich wieder her. Der Kardinal Albani war gerecht und menſchlich; leidenſchaftlich eingenommen gegen die franzöſiſche Revolution, ſchirmte er nichts deſtoweniger die Anhänger des neuen politiſchen Syſtems in Rom gegen Verfolgungen. Wenn die Tiare (Pabſtkrone) ihm zweimal, ohngeachtet ſeines Aſcendenten und des Einfluſſes ſeiner Partei, entging, ſo muß man es der Herrſchaft zuſchreiben, die ſein Kammerdiener, Mariano, über ihn führen durfte. Dieſe Schwäche erſchien um ſo ſeltſamer, als Mariano offenbar das Niedrigſte, was Rom in ſich ſchloß, beſchützte. Das Bisthum von Oſtia und Velletri, eins der privilegirten Bisthümer, war der Zufluchtsort einer großen Anzahl Uebelthäter im römiſchen Staate geworden. Mariano trieb Handel mit dem Bürgerrecht, und verfügte über die Unterſchrift und das Siegel ſeines Herrn. Man bemerkte während der franzöſiſchen Verwal⸗ tung, daß ihr der Bezirk von Velletri allein jährlich mehr Uebel⸗ thaten, Verbrechen und Prozeſſe zuführte, als der ganze übrige Theil des Departements. Die Bewohner ſchrieben die richtige Ur⸗ ſache davon den Amneſtieen des Kardinals Albani, oder vielmehr des Mariano, zu.
Albani(Joſeph), Neffe des vorigen, und auch Kardi⸗ nal, geboren zu Rom 1757, oder vielleicht einige Jahre vorher, widmete ſich erſt in ſpäterem Alter den Staatsgeſchäften. In ſei⸗
ner Jugend war er wenig dem Studiren, aber ſehr den Zerſtreuun⸗ gen ergeben; beſonders hatte er viel Hang zur Muſik, und ſetzte in der Folge einen Ruhm darein, ſich auf der Violine auszuzeich⸗ nen. Aber es kam nun für ihn der Zeitpunkt, ſich anderer Sorge zu weihen und Fortunens Tücken wieder gut zu machen. Man be⸗ merkte ſogleich ſein Talent und ſeine Fertigkeit. Er wurde mit . der Annone*) beauftragt, und verproviantirte ſich ſelbſt. Als ſeine
*) In Nom hat ein vornehmer Beamter den Auftrag, die Stadt das Jahr über mit Lebensmittelu zu verſehen, und über deren Preis,


