Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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68 Affry.

deln, ein freimüthiges Aeuſſere verbindend, bewahrte er ſich Ver⸗

kehr in allen Parteien. Bonaparte zeichnete ihn unter den Depu⸗ tirten Helvetiens aus, und ihm vertraute er die Vermittlungs⸗ Akte vom 19. Februar 1803 an, ſo wie die beſchwerliche Sorge, den ſeit langer Zeit verbannten Frieden wieder herzuſtellen, jegli⸗ chen Haß zu dämpfen, und alle Intereſſen zu vereinigen. D Affry ward für dieſes Jahr zum Landamman gewählt, und, bis zur Verſammlung der Tagſatzung, mit außerordentlicher Gewalt be⸗ kleidet. Als er in die Schweiz zurückgekehrt war, wählten ihn ſeine Mitbürger zum Schultheißen von Freiburg, und Ehrenämter bezeichneten den ganzen übrigen Theil ſeines Lebens. Bei der Krö⸗ nung des Kaiſers legte er dem neuen Monarchen die Glückwünſche Helvetiens dar. Im Anfang des Feldzugs von 1807*) wurde er von ſeinen Mitbürgern deputirt, um Napoleon das Intereſſe der Schweizer Neutralität zu empfehlen. 1810 neuerdings abgeſandt, um dieſem Fürſten bei ſeiner Vermählung mit der Erzherzogin Ma⸗

rie Louiſe aufzuwarten, wurde er mit Gunſtbezeugungen überhäuft, empfing glänzende Geſchenke, und das große Band der Ehrenle⸗

gion. Er wollte der Berner Tagſatzung von ſeiner Sendung; Be⸗ richt abſtatten, als ihn der Schlag traf, worau er den 26. Juni deſſelben Jahrs ſtarb.

Affry(Karl vor, Sohn des Landammans, betrat mit Ehre die Laufbahn der Waffen. Er nahm frühzeitig Militärdien⸗ ſte, und entging der Niedermetzelung am 10. Auguſt nur durch einen glücklichen Zufall, der ihn in der Normandie zurückhielt; denn er war dort als Lieutenant, an der Spitze einer Abtheilung ſeines Corps, geblieben**). Als Obriſt eines Schweizer⸗Regi⸗ ments machte er 1812 den Feldzug nach Rußland mit, und ward zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Im September 1814 em⸗ pfing er vom Könige das Ludwigskreuz, und ſechs Monate darauf von Monſteur das Brevet als Kommandant der Ehrenlegion. Den

22. März 1815, zwei Tage nach der Rückkehr Napoleons, erhielt

er den Befehl, am folgenden Tage bei der Parade zu erſcheinen. Aber er glaubte ſich vorher zu dem General von Caſtella begeben

*) Soll vermuthlich heißen 1809. G.

**y) Wahrſcheinlich befand ſich bei dieſen in der Normandie ſtehenden Schweizer Truppen auch das Reaiment Salis⸗Samade, bei wel⸗ chem der liebenswürdige Dichter J. G. von Salis als Offtzier diente. Den Freunden der Poeſie iſt die ſchöne Monorie am Meere bei Havre de Gracc bekannt, welche er ſeiner fer⸗ nen Geliebten weihte. G.