Affry.. 67
Affry(Ludwig Auguſtin Philipp, Graf von), bewies in ſeinem ganzen Lebenslauf, daß Klugheit, Fertigkeit, Weltkenntniß und feiner Takt weit mehr zum perſönlichen Fort⸗ kommen dienen und die delikaten Geſchäfte der Politik beſſer ver⸗ richten, als vorzügliche Talente, wiſſenſchaftliche Kenntniſſe und Genie. Er war der Sohn des Generals Grafen d Affry, und wurde zu Freiburg 1743 geboren. Frühzeitig zum Militärdienſte be⸗ ſtimmt, begleitete der Graf ſeinen Vater nach dem Haag als Ge⸗ ſandtſchaftsjunker, und wurde alsdann Aide⸗Major*) der Schwei⸗ zergarden, Hauptmann, Brigadier, Marechal⸗ de⸗Camp, und Ge⸗ neral⸗Lieutenant. In letzterer Eigenſchaft befehligte er die Ar⸗ mee am Oberrhein bis zum 10. Auguſt 1792 und zog ſich nach der Abdankung der Schweizer Truppen in ſein Vaterland zurück**). Er ward Beigeordneter des geheimen Raths von Freiburg, und 1798 Befehlshaber der Militärmacht. Letzteres war ein mißlicher Poſten zu einer Zeit, da innere Bewegungen die Schweiz plagten und ihr zugleich ein fremder Einbruch drohte. Dieſe beiden Un⸗ glücksfälle kamen wirklich auf das Land. D Affry wandte alle Mittel an, welche ihm die Klugheit eingab, um ihre Folgen ab⸗ zuwenden. Als die franzöſiſchen Truppen Freiburg beſetzten, wurde er Mitglied der proviſoriſchen Regierung. Aber eine allgemeine Maasregel ſchloß ihn hernach von jedem öffentlichen Dienſt aus, und er bekleidete während der Schweizer Revolution keine Stelle. Dennoch verband er ſich zu keiner Intrigue wider die Regierung, welche ihn entfernte, und blieb den Inſurrectionen von 1801 und 1802 fremd. Er wurde zum Deputirten nach Paris ernannt, als
Napoleon ſich den Kantonen als Vermittler anbot. Allgemein be⸗
trachtete man ihn als den Mann, der am tauglichſten ſey, alle Parteien und Meinungen wieder zu vereinigen und der Sache des Vaterlandes wahre Dienſte zu leiſten. Begabt mit verträglichem Geiſt, und mit der Annehmlichkeit der Sitten den Scharfſinn des Hofmanns, mit der Gewohnheit, bedenkliche Geſchäfte zu behan⸗
*) Was jetzt bei der franz. Armee Adjudant⸗Major oder Bataillons⸗ Adjudant heißt, der Kapitäns⸗Nang und einen Unteroffizier⸗Ad⸗ judanten als Beigeordneten hat. G.
**) Im Anfang des Nevolutionskriegs dienten noch Schweizerregi⸗⸗ menter, ſie wurden aber, weil man keine fremde Truppen haben wollte, noch 1792 entlaſſen. Die ſchöne und tapfere Garde ſiel bekanntlich zum Theil als Opfer ihres Muths und ihrer Treue⸗ als ſie am 10. Auguſt die königliche Familie gegen einen wüthen⸗ den Volkshaufen vertheidigte. G
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