Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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66 Acrel. Affry.

zu errichten, und manche andere vortreffliche chirurgiſche Schrif⸗ ten. Aerel ſtarb ſehr alt im JF. 1807. Er war zugleich Doetor bei der Univerſität Upſal, Mitglied der Stockholmer Akademie der Wiſſenſchaften, und auswärtiges Mitglied der chirurgiſchen Akademie zu Paris.

Affry(Ludwig Auguſt Auguſtin), Sohn des Franz von Affry, Generallieutenants in franzöſiſchen Dienſten, aus einer der älteſten Familien Freiburgs, trat jung unter das Heer, und ein großer Theil ſeines Lebens war kriegeriſch. Er wurde 1713

zu Verſailles geboren, und befand ſich 1734, als Hauptmann un⸗

ter den Garden, zu Guaſtalla, wo ſein Vater getödtet ward*). In den Feldzügen von 1746, 1747 und 1780 bewies er eine Ta⸗

pferkeit, die ihm den Grad eines Marechal⸗ de⸗Camp erwarb.

1755 wurde er bei den Generalſtaaten Hollands, anfangs als auſ⸗ ſerordentlicher Bevollmächtigter, hierauf als Geſandter des Königs von Frankreich beglaubigt. Er diente 1762 bei der im Heſſiſchen

ſtehenden Armee als General⸗Lieutenant, und ward 1781 Obriſt

der Schweizergarde. In dieſer Eigenſchaft kommandirte er 1789 die zur perſönlichen Bedeckung Ludwigs XVI. beſtimmten Regi⸗ menter. Muthig ſchützte er ihn an den gefahrvollen Tagen des F. und 6. Octobers. Aber nach der Abreiſe dieſes Fürſten glaubte er ſich ſeiner Pflichten gegen ihn entbunden, und bot der Natio⸗ nalverſammlung ſeine Dienſte an. Obſchon ſeit Anfang 1792 den politiſchen Ereigniſſen fremd, wurde dieſer Greis doch in die Ver⸗ haftungen während des Auguſts verwickelt; wunderbar entging er den Niedermetzelungen im September, und zog ſich auf ſein Schloß im Waadtlande zurück, wo er kurze Zeit darauf ſtarb. Der Graf d'Affry war einer der vorzüglichſten Männer der höheren Geſell⸗ ſchaft, worin er, bis an's Ende ſeines Aufenthalts zu Paris, eine Art Diktatur übte, ſey es nun wegen der Dienſte, die ſein mili⸗

täriſches und politiſches Leben auszeichneten, oder wegen der be⸗

ſondern Protection, womit er immerfort Gelehrte und Künſtler beehrte, oder auch wegen des hervorſtechenden Reizes ſeiner licht⸗ vollen und weiſen Unterhaltung, in welche er, mit der ihm eigen⸗ thümlichen Anmuth, die Erinnerungen an die beiden königlichen Regierungen und an die Männer der erſten Klaſſe jeder Art, mit

denen er gelebt hatte, zu miſchen wußte.

*) Er focht an der Spitze des Infanterie⸗Regiments du Roi. Der tapfere Ludwig Auguſt war ſein einziger Sohn. S. die Histoire militaire des Suisses, deren Verfaſſer der Baron von Zur⸗ lauben, Hauptmann in der Schweizergarde, war. G.