Adelung.
mit den ſeinigen haben. Dies war Adanſon. Beide, begabt mit einer grenzenloſen Geduld, hatten den Schmerz, das wichtigſte Werk ihres Lebens unvollendet zu laſſen. Aber Adelung fand in dem geſchätzten Linguiſten Vater in Königsberg einen, ſeiner würdigen, Fortſetzer. In dem erſten Theil dieſes Werkes, welches den Titel Mithridates führt, und worin Adelung die Aus⸗ beute ſeiner Forſchungen in den geſammten alten und neueren Spra⸗ chen niederlegen wollte, ſucht er die Wiege der menſchlichen Kul⸗ tur auf, welche er unter dem Himmel Aſiens findet, und die Ur⸗ ſprache, deren unverwerfliche Spuren er in dem älteſten und hei⸗ ligſten der Idiome, dem Sanskrit, zu erkennen glaubt. Der zweite Theil ordnet alle europäiſchen Sprachen in ſechs Haupt⸗Familien. Der dritte und vierte ſind den Sprachen Afrika's, Amerika's, und des Südmeers, gewidmet. Adelung's Erben haben Hrn. Vater die Manuſcripte jenes Gelehrten treulich zugeſtellt. Man darf
nicht das edelmüthige Unternehmen des Buchhändlers Voß ver⸗
geſſen, welcher allein alle Koſten dieſes ungeheuern und bedenkli⸗ chen Werks auf ſich nahm. Je mehr die Gewohnheit, in dem Le⸗ ben einen einzigen Zweck— den Gewinn— zu ſehen, den Geiſt einengt und die Ideen niederdrückt, deſto bemerkenswerther ſind eine ſolche Kühnheit und Aufopferung. Adelung war fröhlich, ſelbſt jovial. Er liebte die foecundos calices, bei wel⸗ chen ſchon mehr als ein großer und talentvoller Mann Erholung von ſeiner Mühe und Flamme für ſein Genie gefunden hat. Sei⸗ nem, mit fremden Weinen reichlich verſehenen, Keller gab er den Namen: Bibliotheca selectissima. Er verheirathete ſich nie. Das Studierzimmer, ſagten ſeine Landsleute, iſt ſein Weib, und ſeine Kinder ſind 70 Bände von jeglichem Maaß/ welche ſeine fruchtbare Feder an's Licht gebracht hat.
Adelung(Friedrich), Neffe des vorigen, geboren zu Stettin, ließ ſich in St. Petersburg nieder, wo er bei der Direk⸗ tion des deutſchen Theaters angeſtellt wurde, und auch auf eine eh⸗ renvolle Weiſe die philologiſchen Nachforſchungen ſeines Oheims fortſetzte. Er ward hierauf zum Lehrer der jungen Großfürſten er⸗ nannt, in den Adelſtand erhoben, und empfing vom Kaiſer Alexan⸗ der den St. Annen⸗Orden. Sein vorzüglichſtes Werk ſchrieb er über die in Rom(wo er ſich eine Zeit lang aufhielt,) befindlichen, aus der Heidelberger Bibliothek in die des Vatican gekommenen/ altdeutſchen Gedichte. Auch hat man von ihm eine Schrift über das Alter der nordiſchen Gedichte, und eine franzöſi⸗ ſche: Rapports entre la langue Shanskrite et la langue


