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52 Adelaſio, Adeler.
man den Patrioten Adelaſio zu Mailand. So ſchien dieſer Erd⸗ ſtrich, der zwiſchen zwei mächtigen Nachbarn liegt, beſtimmt zu ſeyn, nur die Stürme, aber nicht den ruhigen Genuß der Freiheit, zu kennen.
Adeler(Theodor), Schiffskapitän und Kammerherr des Königs von Dänemark, gehört zu einer der älteſten Familien dieſes Landes. Seine ſchwache Geſundheit nöthigte ihn, den Dienſt, noch jung, zu verlaſſen, und ſich auf eines ſeiner Landgüter zurückzuzie⸗ hen, wo er das Schickſal ſeiner Bauern verbeſſerte, indem er ſie⸗ die, wie es noch in einigen nordiſchen Staaten der Fall iſt, Leib⸗ eigene waren, zu Erbpächtern machte. Er ſchrieb ein Werk über den Ackerbau, das man in Dänemark ſehr ſchätzt und das ihm vom König die goldene Medaille erwarb. Seine Geſundheitsumſtände bewogen ihn, ſich in Frankreich niederzulaſſen. Nachdem er einige Monate in Paris verweilt, begab er ſich nach der Provence, deren Klima ihm vortheilhaft war, und lebte als Philoſoph auf einem Gute, das er ſich zwei Stunden von Avignon gekauft hatte. Be⸗ wohner des ſüdlichen Frankreichs achteten, bei der abſchenlichen Reaction d. J. 1815, nicht einen ſiebzigjährigen Greis, einen Fremden, der, während er unter ihnen war, ſeinen Nachbarn ſo oft Hülfe geleiſtet; ſie drangen bei ihm ein, plünderten und ver⸗ wüſteten ſeinen Wohnplatz; ja ſie übten, in ihrem factiöſen Wahn⸗ ſinn, Gewalt an ihm, und ließen ihn in ſeinem Blute ſchwimmend. Die Mörder ſtellten ihren Triumph dar, indem ſie ſich des Wagens und der Pferde ihres Schlachtopfers bemächtigten, und ſich deren öffentlich zu neuen Unternehmungen bedienten. Doch waren Ade⸗ ler's ſchwere Wunden nicht tödtlich. Er floh nach Avignon, wo er ſich verborgen hielt, und erſt nach der Verordnung vom 5. Sep⸗ tember des folgenden Jahrs, deren Einfluß ſo heilſam für ganz Frankreich war, kehrte er auf ſein Gut zurück. Unermüdet wohl⸗ thätig, fährt Adeler fort, ſeinen Nachbarn Lehren im Feldbau zu ertheilen, und ſeinen Mitbürgern Beiſpiele der Mäßigung und Tu⸗ gend zu geben. Er lindert, ſo viel es ihm möglich iſt, die Noth der Armen in den umliegenden Gemeinden. Sein Wohlthun er⸗ ſtreckt ſich ſelbſt auf alle nützliche Weſen. Er hat eine Art von Hoſpital für die Thiere ſeiner Meierei angelegt. Dies beſteht in einer großen Wieſe, mit einer Menge von Bäumen bepflanzt, wo die Pferde und Ochſen frei erhalten werden, wenn ſie krank ſind/ oder Alters wegen nicht mehr arbeiten können. Unter dieſen Thie⸗ ren fand er wenigſtens keine Undankbare.


