Adanſon. 45
Vaterlandsliebe allein war auch der Grund, daß er die Anerbie⸗ tungen des Kaiſers von Oeſterreich, der Kaiſerin Katharina von Rußland, und des Königs von Spanien, ſich in ihren Ländern niederzulaſſen, ausſchlug. Adanſon reiſte nach ſeiner Zurückkunft in verſchiedene Theile Frankreichs, beſuchte die Küſten des Oceans und des mittelländiſchen Meers, und entdeckte in der Provence jene einſt in Neapel ſo gefürchtete Tarantel, die aber gift⸗ und namenlos iſt, und zwar zu Marſeille und Nizza. Als königlicher Cenſor und mit mehrern Penſionen begabt, befand er ſich in einem Wohlſtande, der über ſeine Wünſche ging. Aber das Streben, ſei⸗ nen Plan auszuführen, war wie ein Schlund, der ſeine Mittel be⸗ grub. Die Revolution raubte ihm ſein Einkommen, und er war bei annäherndem Alter in der Lage, ſich ſehr einzuſchränken. In einem Moment verlor er die Frucht von 50 Arbeitsjahren; ein Garten, worin er ſeine Verſuche über die Vegetation anſtellte, ward geplündert. Darüber befiel ihn die höchſte Traurigkeit; er ſchlug alle Hülfe aus, die man ihm anbot, ſelbſt die ſeiner Frau, von welcher er ſchon lange an Gütern getrennt war. Er ſam⸗ melte die ſchwachen Trümmer ſeines Vermögens, und kaufte ein Stück Land bei Paris, wo er ein Haus und einen zu ſeinen Ver⸗ ſuchen tauglichen Garten anlegte. Das wiederorganiſirte Nat. In⸗ ſtitut bezeigte ihm 1798 das Verlangen, daß er ſeinen Sitzungen beiwohnen möchte. Er antwortete ſcherzend, er könne nicht hin⸗ gehen, weil er keine Schuhe habe. Der Miniſter Benezech gab ihm eine Penſion von 6000 Franken, welche der Kaiſer ſpä⸗ terhin verdoppelte. Dieſer Fürſt ernannte ihn den 26. Frimaire 12. zum Mitgliede der Ehrenlegion. Adanſon, der ſeit mehreren Jahren kränklich war, fühlte ſein Ende nahen.„Meine Freundel rief er den Umſtehenden; die Unſterblichkeit iſt nicht von dieſer Welt!“ und gab ſeinen Geiſt auf(den 3. Aug. 1806). Er hatte 1800 den Verein der zur Errichtung ei⸗ nes Denkmals für den General Deſaix, der bei Marengo fiel, ver⸗ ſammelten Subſcribenten präſidirt.— Adanſon war klein, wohl proportionirt, gewandt, lebhaft, leicht zu erzürnen und zu beſänf⸗ tigen, von ganz gewöhnlichem Aeuſſern, wenig angenehmer Ge⸗ ſichtsbildung, die ſich aber im Reden ſehr belebte und einen eige⸗ nen Charakter annahm. Seine Eigenliebe war die des ſich ſelbſt kennenden Talents. Wohl lebhaft und reizbar, aber ohne Neid und Eitelkeit, hegte er für ſeine Syſteme die väterliche Neigung eines Mannes, der ſein Leben einer großen Schöpfung weihte. Berunard von Juſſieu wollte den Baobab Adanſona nennen;
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