32 Aeton. nigin in den Rath eintreten/ und indem er ſo ihrer Begierde nach öffentlicher Gewalt ſchmeichelte, gab er ſeinem uſurpirten Anſehn eine faſt unerſchütterliche Grundſäule. Mit Hamilton, dem Mi⸗ niſter Englands, verbunden, verfolgte er, in deſſen Gemeinſchaft, jenen Plan von Feindſeligkeit gegen Frankreich, welcher Gedanke, Zweck und Triebfeder ſeines ganzen Lebens war. Seitdem ihm Hr. v. Sertines eine Stelle in der franzöſiſchen Marine verwei⸗ gert, hatte er ſeinem Geburtslande einen Haß geſchworen, der nie erloſch. Seine Gewalt vermehrte ſich mit dieſer kleinlichen Denkungsart. Dieſer Mann hatte ſo gut auf die Leidenſchaften ſeiner Herren hin ſpekulirt, daß ſeine Kühnheit ihn nur noch mehr im Vertrauen derſelben befeſtigte. Er opferte die dringend⸗ ſten Bedürfniſſe des Staats ſeinem perſönlichen Haß auf. Bald verweigerte er, unter eitlem Vorwand, Bauholz, deſſen Ausfuhr der neapolitaniſchen Regierung nützlich war, an Frankreich, das er verabſcheute, zu überlaſſen; bald, als eine gräßliche Kataſtrophe das kalabreſiſche Volk in das tiefſte Elend ſtürzte, erklärte er einer mit Korn beladenen Fregatte, welche Ludwig XVI. den Unglücklichen ſandte, daß ſie nicht im Hafen aufgenommen werde, und ihre Ladung anderswohin bringen könne. Vergebens bezeich⸗ neten der Vater des Königs von Neapel, Karl III., König von Spanien, und der König von Frankreich, dieſe abſcheuliche Ver⸗ achtung des Menſchenlebens als der Nache der Geſetze und des Scepters werth; vergebens trachtete der Kardinal Bernis, Ge⸗ ſandter des Verſailler Hofs zu Neapel, dieſen fatalen Kampf zwi⸗ ſchen einem Miniſter und drei gekrönten Häuptern— zwiſchen Vater und Sohn— der ſich 30 Jahre ſpäter unter ſeinen Augen wieder erneuern ſollte, aufhören zu machen: Acton wurde erſter Miniſter. Stolz auf dieſen doppelten Sieg trat er alles nieder; ſein Ehrgeiz und ſeine Rache hatten keine Grenzen. Wenn im Jahr 1792 die Eskadre des Latouche⸗Treville, welche im Begriff ſtand, Neapel zu bombardiren, ſeinen Stolz zur Beugung zwang⸗ ſo wußte er ſchon im folgenden Jahre ſich für dieſe vorüberge⸗ hende Demüthigung zu rächen, indem er verhinderte, daß der franzöſiſche Miniſter bei der ottomanniſchen Pforte angenommen wurde. Im Jahr 1794 füllte er, auf den alleinigen Verdacht des Einverſtändniſſes mit den Franzoſen, die Gefängniſſe mit ſeinen Schlachtopfern an. Die ſchreckliche Staats⸗Junta, welcher er präſidirte, traf alle Stände mit Verweiſung oder Tod. Der allgemeine Haß gegen ihn ſtieg auf's höchſte. Jetzt häuften ſich die Verſchwörungen, und mit ihnen die Schaffotte und Gefängniſſe.
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1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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