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XVI Einleitung dys Originals.
heit der Charaktere auch den Erzaͤhlungen Wahrheit verleihen.
Hierdurch allein werden wir eine ehrenvolle Pflicht erfuͤllt² haben,
und ſind wir dahin gelangt, ungerechte Vorurtheile zu zerſtoͤren,
verlaͤumdeten Ruf wieder herzuſtellen, unvollkommene Begriffe
zu ergaͤnzen, die Tugenden, Talente und großen Handlungen, die politiſchen und literariſchen Verdienſte, die Irrthuͤmer, Laſter und Verbrechen unſeres Zeitalters in ihr voͤlliges Licht zu ſetzen, dann haben wir uns, ſowohl durch unſer Lob, als durch die Strenge unſers Urtheils, um die Abgeſchiedenen, und nicht min⸗ der um die noch Lebenden durch die gewiſſenhafte Aufzaͤhlung ihrer Werke und Handlungen, wohl verdient gemacht. Ueber Letztere enthalten wir uns der Urtheile; ihr Lauf iſt noch nicht geſchloſſen. Mehrere haben um einen Tag zuviel gelebt, den ſie um den Preis ihres vormaligen Ruhms haͤtten wieder erkaufen moͤgen; mehrere lebten nicht genug, und der Ruhm erwartet ſie vielleicht noch. Andere koͤnnen den Aufſchub benutzen, den ihnen die Zeit bewilligt, um Ehre zu erlangen.
Das Publikum, ſtets uͤber ſein Intereſſe wohl erleuchtet,
ließ ſich keine dieſer Betrachtungen entgehen. Es wußte alle Bedingungen zu wuͤrdigen, die wir uns aufgelegt, und alle Ge⸗ ſinnungen zu errathen, die mit der Abfaſſung unſers Werks ver⸗ bunden find. Es hat wohl empfunden, daß es unſere Pflicht ſey, das zu verkuͤnden, was fuͤr Frankreich ehrenvoll iſt, und was ihm nutzlich ſeyn kann. Auch hat es ſich beeifert, unſere Aufforderun⸗ gen zu unterſtuͤtzen und unſerem Streben entgegen zu kommen. Dieſes Verhäͤltniß zwiſchen dem Publikum und uns iſt eine nicht zweideutige Offenbarung jenes Beduͤrfniſſes von National⸗Gerech⸗ tigkeit, das immer ein großes Volk charakteriſirt.
Die Annalen der Geſtorbenen und der Lebenden gehoͤren eben
ſowohl in das Gebiet der Moral, als in das der Geſchichte, und in
dieſer Hinſicht iſt eine Biographie, welche faſt das ganze philoſophi⸗ ſche Jahrhundert, und eine gleichzeitige, ſo wichtige Epoche, wie die unſerer Revolution, umfaßt, eins der nuͤtzlichſten Werke fuͤr die Be⸗
lehrung des Zeitalters und die Betrachtung der Nachkommenſchaft.
Die Maͤnner, welche ſeit dreißig Jahren von Frankreich und
Europa mit Ehren genannt werden, bilden jene heilige Schaar, die
in den ſchoͤnſten Zeiten Griechenlands beſtimmt geweſen, den Ruhm des Vaterlandes zu ſichern.


