Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Einleitung des Oeiginals.

fuͤhrt, gehorchte ihr Frankreich. Waͤhrend dieſer funfzehn Jahre war fuͤr daſſelbe ein Mann das ganze Vaterland. Der Ruhm betrog beide.

Ein unſeliges Geſchick fuͤhrte bald die Siege der franzoͤſt⸗ ſchen Freiheit auf Irrwege, und vermengte die National⸗Uuab⸗ haͤngigkeit mit der Unterjochung Europa's. So uͤberſchritt dieſe Freiheit ihr Ziel, und jener Ruhm kannte keine Grenzen mehr.

Eine ſolche Lage, welche keine andere Epoche unferer Ge⸗ ſchichte mahlt, weder die Karls des Großen, der die Beſiegten wuͤrgen ließ, noch die des heiligen Ludwigs, der ſeine Nation in den Kreuzzuͤgen zu Grunde richtete, noch die Heinrichs IV., der uͤber ſeine Landsleute triumphirte, noch die Ludwigs XIV., der Frankreich dadurch verdarb, daß er es groͤßer machte eine ſolche, in unſern Jahebuͤchern ganz neue, Lage mußte auch andere Menſchen hervorbringen. Dieſe Schoͤpfung war ein Werk des neuen Intereſſes. Man mußte unter den Fahnen der Freiheit, zwiſchen den konſulariſchen Fascen und dem Scepter des Monarchen, wandeln. Alle Freunde der Revolntion und alle Freunde des Koͤnigthums vermiſchten und verſoͤhnten ſich offen an dieſem bisher unbekannten Hofe, der ihren Meinungen einen gleich ſichern Zufluchtsort bot. Der Thron, der jeglichen Eid empfing, war fuͤr jene der Altar des Vaterlandes, fuͤr dieſe

der Thron Frankreichs. Aber er war der Thron Europa's.

Ein neues politiſches Recht herrſchte uͤber das Ausland⸗ und unterwarf das Innere. Außerordentliche, der königlichen und republikaniſchen Regierung fremde, Beztehungen banden. Europa um dieſe allmaͤchtige Reformation.

Die Umwandlungen geſchahen ſo ploͤtzlich und ſo allgemein, von den Beherrſchern bis zu den geringſten Indivlduen, daß man glauben mußte, die Geſchichte habe auch ihre Metamor⸗ phoſen. Einige erhielten Koͤnigreiche, andere Wuͤrden. Alle Republiken verſchwanden; es gab keine Buͤrger mehr. Ver⸗ ſchiedene weiſe Maͤnner, welche, ohne Leidenſchaft immitten jener Umwaͤlzung Frankreichs, mit ihrer Vernunft und ihrem Gewiſſen durch die Stuͤrme unſerer Revolution gegangen waren,

beobachteten voll Schmerz, welchen magiſchen Einfluß die Ge⸗

walt auf die Menſchen ausuͤbt. Sie ſchwiegen und wahrfagten bei ſich ſelbſt. Als der Koloß ſiel, waren ſie weniger uͤber⸗ raſcht, und mehr gebeugt, als die andern.