Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Einleitung des Originals. 1X

die ſelbſt ſich jener Erinnerungen zu entledigen brannten, ſey

es nun aus Beſorgniß, oder aus Uneigennutzigkeit, und ſo ge⸗

ſchah es, daß, indem man an die Stelle der beſtehenden Ein⸗

richtungen derſelben durchaus widerſprechende ſetzte, welches

nur als Rache des Haſſes erſcheinen konnte, dadurch das Werk

der Weisheit aufgerichtet ward. So koͤnnen die menſchlichen Leidenſchaften vaterlaͤndiſch und ſchirmend werden, wenn ſie aus

der Nothwendigkeit entſtehen, und wenn ihr Ziel das groͤßte

aller Intereſſen, das der Gemeinde, iſt. Alle Talente, Auf⸗ opferungen, Willensmeinungen, alle Wuth, die man fuͤr den

neuen Bau der oͤffentlichen Geſellſchaft in Bewegung ſetzte, ga⸗

ben Frankreich einen Zuſtand, den es vorher nie gekannt hatte,

den eines Vaterlandes, das alles der Gleichheit ſeiner Buͤrger

verdankt.

Vergebens wiederholte ſich zu verſchiedenen Epochen der Prozeß gegen die Revolution, und wohl vergebens dauert er noch fort. Um die Sache der alten Angelegenheiten aufrecht zu halten, wollten die Vertheidiger der unumſchraͤnkten Herrſchaft beweiſen, daß unter einer ſolchen Regierung Frankreich frei waͤre. Sie mußten ſelbſt auf den Kampfplatz der Freiheit tre⸗ ten, und das ſeltſame Schauſpiel einer Schaar von Belagerern geben, waͤhrend ſie, um an dieſen Ort zu gelangen, die Farbe der Belagerten trugen. Aber ſie wurden unter dieſer Maske erkannt, weil ihnen das Loſungswort des Vaterlandes fehlte. Doch verloren ſie nicht den Muth, und kuͤhn ſich den populaͤren Lehrſaͤtzen hingebend, verſuchten ſie aufzuſtellen, daß ſie keine anderen haͤtten, und was noch weit verwegener iſt wag⸗ ten es, zu behaupten, daß alle dieſe Grundſaͤtze aus unſerem alten Recht entſpraͤngen, und daß Frankreich um ſo revolution naͤrer ſey, weil es alles zerſtoͤrt und nichts erfunden habe.

Unter dieſen Grundſaͤtzen und ſonderbaren Rechtsſtreitig⸗ keiten uͤberraſchte eine große Epoche ploͤtzlich das republikaniſche Frankreich und das monarchiſche Europa. Ein funfzehnjaͤhriger Despotismus, der, wie jener des Caͤſars, im Namen der Frei⸗ heit verkündet ward, hemmte die feindſeligen Verhandlungen, welche die ſtrafbare Schwachheit der Direktorial⸗Regierung er⸗ zeugt hatte. Dieſe Regierung hatte Abfaͤlle und Verraͤthereien hervorgebracht. Dies war genug, um das Chaos zu erneuern. Eine maͤchtige, aus dem Heer erſchallende, Stimme gebot den Factionen Ruhe. Sie ſchwiegen. Durch Erinnerungen ver⸗