„Ja, da iſt es freilich eine Kleinigkeit, alle Frauen zu erobern,“ ſagte er neckend zu Walram,—„wenn man mit ſolchen Waffen in's Feld zieht.“
Walram ſchlüpfte ohne Antwort lachend in ſein Zimmer.
„Ich mag nicht in die Oper gehn,“ ſagte Huber, als er allein auf dem Corridor ſtand,—„lieber zu Lori, ſie ſpielt ja heute Abend nicht.“ Und nachdem er raſch ſeinen Mantel und ein Paar wärmere Hand⸗ ſchuhe ſich geholt, verließ er das Hötel und ſchritt durch die hellerleuchteten Straßen dem Mainquai zu.
Je näher er dem Waſſer kam, deſto einſamer wurden trotz der frühen Stunde die Straßen, denn es war gewaltig kalt, und Huber's Schritt wurde immer beſchleunigter. Schon hörte er die Eisſchollen im Main brechend an einander ſtoßen, als ihm eine raſch vor ihm her eilende Geſtalt auffiel.
Es war ein ſchlankes, jugendliches Weſen, trotz der ſtrengen Kälte mit unbedecktem Kopf, ohne Tuch und Mantel, im dünnen Kattunüberrock; es ſchien eine Arbeiterin der unteren Stände. Als er dicht hinter ihr ging, hörte er deutlich, daß ſie ſchluchzte.


