Frauen und Opfer. 253
leben, laſſen Sie dies ſchöne junge Leben harmoniſch entſchwinden! halten Sie hier aus!“
Agnes rang die Hände.„Ich kann nicht, ich kann nicht! Meine Pflicht ruft mich nach Peſth, ach— auch mein Herz, denn jetzt, wo mein Mann mir viel⸗ leicht entriſſen wird, fühle ich, daß alles Andre bei dieſem Gedanken in den Hintergrund tritt— ihn muß ich zu retten verſuchen— denn ſelbſt, wenn ich hier bleiben wollte, hier kann ich Niemand mehr retten, Sie geſtehen ſelbſt, daß Alles verloren iſt!“
„Und was können Sie in Peſth?“
Agnes richtete ſich hoch auf und ſah den Doctor mit ihren großen Augen verwundert an.„Was ich in Peſth kann? Meinen Mann retten. Glauben Sie, ich könne begreifen, daß man, ſo lange man Leben in den Adern fühlt, einen geliebten Gatten unſchuldig zum Tode führen laſſe? Glauben Sie, ich halte meines Gat⸗ ten Recht nicht für höher als die Willkühr dieſes Hay⸗ nau? Glauben Sie, ich zweifle einen Augenblick, daß ich dieſem Ungeheuer gegenüber ſiegen werde? Wenn mein Mann bei meiner Ankunft in Peſth noch am Leben iſt, dann iſt er auch gerettet!“
Der Doctor ſchüttelte den Kopf.„Und dennoch, gnädige Frau, beſchwöre ich Sie, bleiben Sie hier nur


