388
—
zu entſprechen,“ erwiderte Guſtav Steinau höflich, „nur haben Sie etwas Geduld mit mir; die Bedürf⸗ niſſe des Magens wachſen nicht ſo raſch wie die Be⸗— dürfniſſe des Herzens.“. 4
„Ha, gut geſagt, junger Mann. Das gefällt mir. Aber nun eine Cigarre und dann wollen wir trotz
Regen und Nebel einen Umgang um die Inſel halten.“ 8 „Ich ſtehe jeden Augenblick zu Dienſten!“ erwiderte
Guſtav, nachdem er die Cigarre in Brand geſetzt, und’
griff ſchon nach ſeinem Hute. „Wie?“ rief da der alte Herr im höchſten Er⸗ 8
ſtaunen aus und ließ ſeine Blicke wohlgefällig über die feine Geſtalt und das geiſtreiche Geſicht des jun⸗ gen Mannes laufen, das in Folge mannigfacher Ge⸗ müthsbewegungeu und einer ziemlich ſchlafloſen Nacht heute etwas bleicher als gewöhnlich erſchien.„So, wie Sie da ſind, wollen Sie auf die Inſel hinaus? Gott bewahre, was denken Sie denn! Hier geht man nicht mit ſo dünnen Stiefeln, ſolchem Röckchen und einem modiſchen Hute einher, den der erſte beſte Wind⸗ ſtoß in die See bläſt; das Gras und die Felder ſind naß, hier muß man derbe Wämmſer und Socken anziehen.“
„Das ſind aber meine gewöhnlichen Kleider,“ be⸗ merkte Guſtav lächelnd,„und ich habe kaum feſtere Stiefel bei mir.“ 1


