3
das Recht verloren, ihre Meinung als Machtſpruch in die Wagſchaale zu legen. Zwar hatte ſie die Ent⸗ hebung ihres Amtes nicht gutwillig und ſtillſchwei⸗ gend hingenommen, ſie hatte mehrfach die verlorene Autorität über ihre Nichte, ihren Neffen und haupt⸗ ſächlich den Hauslehrer wieder zu gewinnen geſucht, allein mit ſo geringen Erfolgen, daß ſie, darüber er⸗ boſt, ſogar einen Gewaltſtreich beſchloß. Sie begab ſich zum Baron und klagte ihm ihre Noth, in der Hoffnung, er werde ihr augenblicklich beiſpringen und das volle Regiment wieder in ihre Hände legen. Aber leider hatte ſie ſich auch darin geirrt. Der Baron, der ſich von jeher ungern um„dergleichen Kleinig⸗ keiten“, wie er das Treiben und Leben innerhalb ſei⸗ ner Familie nannte, bekümmerte, ſah jetzt, wie ſeine Gemahlin, aus ihrer Abgeſchiedenheit hervortretend, ſich unter dem geiſtigen Einfluß des neuen Hausleh⸗ rers ſichtbar erholte, und ihr Ruhe, Frieden und Freude gönnend, da er vielleicht fühlen mochte, daß er der Mann nicht war, ihr Herz zu beglücken, lehnte er das Anſinnen ſeiner Schweſter ab, indem er ge⸗ radezu ausſprach, daß ſeine Frau alt und verſtändig genug ſei, das Leben nach ihrer Art und Weiſe zu erfaſſen, und daß es ihm gleichgültig ſei, ob ſeine Kin⸗ der im Zimmer ſeiner Frau oder ſeiner Schweſter un⸗ 1*


