296
worden, die vielleicht Vorurtheile ſind, aber ſie ge⸗ hören nicht allein mir an.“
„Wenn Du aber Handlungen vollführſt, die auf dieſen Vorurtheilen beruhen, ſo gehören ſie Dir allein an. Sei demüthig, dann hat Gott Erbarmen mit Dir.“
„Dem Baron wurde immer beklommener zu Muthe. Er fand keine Worte mehr. So ſanft und doch ſo überzeugend, ſo tief in ſeine innerſte Seele einſchnei⸗ dend, hatte noch kein Menſch mit ihm geſprochen. Er fühlte ſchon den Engel an ſeiner Seite, den ihm der Arzt angekündigt, und er beſchloß, ihn ſo feſt wie möglich an ſich zu ketten, in dem Glauben, an ſeiner Hand werde er vor den Klippen bewahrt bleiben, die ihm ſeine düſtere Phantaſie, vielleicht auch ſein weich gewordenes Gewi ſſen, in Zukunft drohend gezeigt hatte.
Er erhob ſich und, Marien noch einmal die Stirn küſſend und ihre Hand drückend, ſagte er:„Schlaf' wohl, mein Kind, auch ich werde zur Ruhe gehen. Nächſtens ſprechen wir mehr davon. Gute Nacht!“
„Gute Nacht, mein Oheim und Gottes Furſorge behüte Dich!“
Ende des erſten Theiles erſter Abtheilung.
Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig
*


