Herr Lacy war endlich zu dem feierlichen Momente ge⸗ kommen, wo er kraft ſeines heiligen Amtes zu unterſuchen hatte, ob ſie ihre Sünden wahrhaft bereue und mit Jeder⸗ mann ausgeſöhnt ſey. Als er ſie ermahnte, von Grund ihres Herzens denen zu verzeihen, von welchen ſie beleidigt worden, ihrerſeits die um Verzeihung zu bitten, welche ſie ſelbſt gekränkt haben könnte und den zugefügten Schaden wie das Unrecht nach Kräften wieder gut zu machen, be⸗ diente ſich der Mann Gottes ernſter und ſtrenger Worte, die jedoch durch den Ton chriſtlicher Liebe, womit er ſie ſprach, gemildert wurden. Ellen's Lippen aber erwiederten nichts mehr; ſie kehrte ihr Geſicht nach der Wand und, mit den Worten der heiligen Schrift zu reden:„ſie ſchrie zum Herrn und weinte.“
Herr Lacy gebot nun der Miſtreß Denley und Mary Evans, ihn mit Ellen allein zu laſſen, ſich aber nicht weit zu entfernen, um im Falle ihre Gegenwart nöthig würde, gleich bei der Hand zu ſeyn.
Als die Thüre geſchloſſen war, nahm Herr Lacy das Wort:„Ihr Gewiſſen iſt von irgend einer ſchweren Schuld belaſtet und“, fügte er hinzu,„Ihre Seele ſcheint der Ge⸗ walt eines heftigen Schmerzes zu erliegen“; denn der herz⸗ zerreißende Ausdruck ihres Geſichtes, welches ſie ihm plötz⸗ lich zukehrte, offenbarte die ganze Größe ihres Leidens. „Vielleicht auch hat man ſich mehr an Ihnen verſündiget, als Sie gegen Andere geſündiget haben; vielleicht ruht die Hand böſer Menſchen ſchwer auf Ihnen; vielleicht wollten Sie, ſo jung Sie auch ſind, ausfliegen wie die Taube, um dann auszuruhen: Sie irrten durch die Wüſte dieſer Welt, ohne eine Ruheſtätte zu finden.“
Ellen flüſterte mit ſchwacher Stimme: Es gibt keine Ruhe für den Sünder!
— Doch Vergebung für die Reuigen und Ruhe für die, welchen Gott verziehen, erwiederte der Geiſttliche.
— O! rief Ellen, indem ſie die Hand wider die Stirne drückte, ich kann nie auf die Verzeihung Gottes hoffen. Zuweilen, hochwürdiger Herr, öffnete ich die Bibel. Ich fand darin Worte der Gnade, Worte der Barmherzigkeit,


