wie das Nichts und die Tiefe.“ Die glatte Oberfläche dieſer eintönigen Lebensweiſe hätte ebenſowohl einen Vulkan bedecken, als einen Abgrund verbergen können. Ddie Kinder dieſer Ehe waren einander auffallend unähnlich. Geboren unter demſelbem Dach und unter denſelben Einflüſſen emporwachfend, zeigten ſie frühe die überraſchendſte Ungleichheit der Denkweiſe und des Be⸗ nehmens. Edgar war ein ſchöner und ſanfter Knabe, deſſen heitere Fröhlichkeit keine ernſten Angeſichter nie⸗ derdrücken und keine trübe Form des Lebens beeinträch⸗ tigen konnten. Gelehrig und lenkſam, nahm er bereit⸗ willig jeden Eindruck auf, und eignete ſich alle die An⸗ ſichten an, die ſein Vater ausſprach. Wenn Lord Lifford für irgend etwas in der Welt Theilnahme fühlte, ſo war es für ſeinen Sohn. Er ſprach mit ihm von ſei⸗ nen Voreltern, von ſeinen Beſitzungen, von den manch⸗ faltigen Ehren, die ſeiner Familie in früheren Zeiten waren angethan worden, von den Verbindungen, die ſie eingegangen hatte, den geſchichtlichen Urkunden, worin ihr Name verbrieft war, von dem Range, den ſie in den Augen aller derer einnahm, die den ächten Adel einer alten Abkunft höher ſchätzten, als die armſelige Auszeichnung durch einen neugeſchaffenen Titel; und des Kindes große blaue Augen dehnten ſich weit aus vo⸗. Staunen und Bewunderung über die Größe aller der Lifford's, die gelebt hatten, die jetzt lebten, und die nach⸗ mals leben ſollten. Er fühlte eine unſchuldige Ueber⸗ raſchung dabei, daß er ſelbſt zu dieſem hochbegünſtigten Geſchlechte gehöre, und ein aufrichtiges Mitleid für alle die, deren Vorfahren keine Kreuzfahrer geweſen, deren Wappenſchilder mangelhaft, deren Stammbaum unvoll⸗ ſtändig war. Aufrichtigkeit und Güte lag in dieſes Kindes Natur! und wenn in ſeines Vaters Unterricht irgend etwas damit Verwandtes gelegen wäre— ein Zug von Gefühl oder ein Funke von Begeiſterung— ſo hätte ein ſolcher einen edlen Ehrgeiz anfachen und, wenn auch in manchem Betracht phantaſtiſch, dennoch
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