— 169—
Fieber für eine Folge derſelben haͤlt. Haben die Frau Graͤfin nie davon gehört?“
„Nie!“ antwortete Amalie,„und ich ge⸗ ſtehe, daß dieſe Neuigkeit mich befremdet. Ei⸗ ne unglückliche Leidenſchaft! Kann die Gräfin Sidonia von Lichtenthal, jung, ſchön, reich und bewundert von allen, unglücklich lieben?“
„Unglücklich, nein!“ ſprach Wendhorſt, „wenn Sie glücklich lieben nennen, daß ihre Leidenſchaft aufs Heftigſte erwiedert wird. Aber können nicht Verhältniſſe die Liebenden tren⸗ nen, meine ſchöne Gräfin, wie es hier in der That der Fall iſt?““
„Wahre Liebe kennt keine Verhaͤltniſſe, läßt ſich nicht ſtören durch Hinderniſſe!“ ent⸗ gegnete die Graͤfin lebhaft.
„Geſetzt nun, der Geliebte wäre verheira⸗ thet,“ ſagte er langſam und mit Nachdruck; „haͤtte eine junge, zaͤrtliche, treffliche Gemah⸗ lin, eine Gemahlin, die, obgleich von bürger⸗ licher Herkunft, er nicht verſtoſſen dürfte, ohne ſich den Tadel der ganzen Welt zuzuziehen; die


