Druckschrift 
Der zerbrochene Postwagen im thüringer Walde : humoristische Erzählungen / von Gustav Friedrichsohn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 243—

ſaͤchlich an die gemiſchte Geſellſchaft/ die in den Konventikeln herrſchte. Als ſie aber erſt einmal einen beſucht und geſehen hatte, mit welcher De⸗ muth man ihr begegnete/ da war ihr widerſtre⸗ bender Geiſt bezwungen und ſie nun eine eben ſo eifrige Beterin als ſie fruͤher Kartenſpielerin u. ſ. w. geweſen war. Der Baron von Stein lach⸗ te, aͤrgerte und freute ſich durch einander. Er kam eben von dem Fraͤulein Taube nach Hauſe, bei der, nach alter Ordnung, heute Whiſtkraͤnz⸗ chen geweſen waͤre, und hatte, wie er vorausge⸗ ſehen, ſie in Begriff gefunden in den Konventikel zu gehen. Sie hatte ihm einen verachtenden Blick zugeworfen und wiederholt: daß ſie nie wieder ſpielen wuͤrde. Der Baron war ſeit Jahren ge⸗ wohnt, mit dieſen Damen alle Woche ein Paar Abende beim Whiſt zu verleben, und ein Gewohn⸗ heitsmenſch, wie er war, wußte er nun noch nicht wie er dieſe Abende ausfuͤllen ſollte, ob er ſich gleich auf der andern Seite freute, dem alten Jungferntrio auf gute Art entgangen zu ſeyn. Wie er nun ſo truͤbſelig da ſaß, wurde ihm der Geheimerath Schwabe gemeldet, der ſo eben an⸗ gekommen war.

„Dein Brief hat gewirkt,“ dachte der Baron

16*