Teil eines Werkes 
2. Th. (1862)
Entstehung
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und unſer Morgen⸗ und Abendbrod mit der armen kleinen Annette theilten, die von der kargen Stief⸗ mutter hart gehalten wurde und oft hungern mußte? Mutterpflege iſt der Kindespflanze Sonnenſchein und Thau, die darfſt Du Deinem Bübchen nimmer ent⸗ ziehen.

Ach ja, Joſephine, Du warſt immer das beſte Herz im ganzen Dorfe, ſeufzte der junge Landmann aus recht beklommener Bruſt.Ein treueres Lieb' hätte kein Burſch finden können; allein heute mein' ich, es muß etwas in Dir geweſen ſein, daß wir uns nicht an Dich gewagt, wie an Margot und ihres Gleichen.

Ja, ja, guter Etienne, meine Häßlichkeit, verſetzte das junge Mädchen mit trübem Lächeln. Gott ſchuf mich, um die Liebe vielleicht mit bluten⸗ dem Herzen zu ſchildern, nicht aber, um ſie zu wecken. Ein Feuerbrand, der nie zu löſchen iſt, fügte ſie zu ſich ſelbſt ſprechend hinzu.

Aber Du wirſt doch Deinen Mann einmal recht glücklich machen! rief Barrot mit dem un⸗ verkennbaren Ausdruck eiferſüchtigen Schmerzes.

Nie, niemals! ſprach Joſephine mit ſo feier⸗ lichem Ernſt, ſo flammenden Auges und ſtolzer

Frick. 15