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Dir. Ich möchte Dich ſo gern recht frohen Herzens den erſten Schritt auf Deiner neuen ſchwierigen Lauf. bahn thun ſehen.“
„Wenn dieſer kecke Wunſch unſerer kleinen Debütantin nichts als ein Gelüſt kindiſcher Eitel⸗ keit iſt,“ ſagte Frau von Monteſſon eine Stunde ſpäter zu ihrer Vorleſerin,„ſo haben wir uns in unſerer Erwartung getäuſcht. Sie iſt dann keine echte Künſtlerin, wird keine Zukunft und das Theatre Frangais keine zweite Dumesnil oder Clairon an ihr haben.“
„Ich kann es nicht denken,“ antwortete Madame Lebrun aber doch ein wenig verſtimmt,„daß der Schöpfer in Eine Menſchenbruſt ein dieſelbe ver⸗ nichtendes Etwas neben einer Fülle von Reichthum ſollte gelegt haben.“
„Unkraut neben einer Heilpflanze,“ meinte Frau von Monteſſon achſelzuckend;„was wäre da auch zu verwundern, da die Natur in jeder Licht⸗ und Schattenſtufung ſo überreich iſt. Vielleicht hätte man die Hand ſein müſſen, die den überwuchernden Miß⸗ wachs beſeitigt.“ 1
„Madame Bonaparte hat den ſeltſamen Wunſch


