Teil eines Werkes 
2. Th. (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

211

Wichtigkeit war. Ihre neue Gönnerin empfing das wenn auch ſchüchterne, doch keineswegs verſchüchterte Mädchen zwar mit unverkennbarem Wohlwollen, doch ebenfalls nicht ohne jene mißtrauiſche Betroffenheit, die ihr unſchönes Aeußere bei Allen erregte, welche Legouvé's Schülerin ſahen, ohne ſie noch ſprechen gehört zu haben. Sie ſtellte das j junge Mädchen auf die ſchwierigſte Probe, welche es für eine Anfän⸗ gerin auf der dramatiſchen Laufbahn nur geben konnte, ſie ließ ſie ein eben beendetes Manuſecript aus ihrer eigenen Feder leſen; der Stoff war alſo Joſephinen gänzlich unbekannt.

Erſt nachdem die junge Elevin dieſe äußerſt ſchwierige Aufgabe, wie es ſchien, zu großer Zufrie⸗ denheit der Frau von Monteſſon gelöſt, durfte ſie Stellen aus ihrer geliebten Phädra und Roxane ſpre⸗ chen. Der Erfolg war ein ſo zufriedenſtellender, daß Frau von Monteſſon verſprach, Mademoiſelle Jo⸗ ſephine Duchenois unter ihren Schutz nehmen zu wollen. Legouvé jubelte. Was durch ihn ſelbſt auch bei den hervorragendſten Fähigkeiten vielleicht nie⸗ mals für ſeinen Zögling erreicht worden wäre, das ebnete ſich jetzt zu einer nur noch von überwindlichen Schwierigkeiten gehemmten Laufbahn. Allerdings

5 14*