Teil eines Werkes 
2. Th. (1862)
Entstehung
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Seit einem Jahre war er durch die Herausgabe ſeines LehrgedichtesFrauenwerth zum Abgott des unterdrückten Geſchlechts, dem er ſo zart ge⸗ huldigt, erhoben. Doch ſchien ſein Herz von Idealen gefeſſelt, für die jede Form der äußern Erſcheinung zu rauh, zu alltäglich. Legouvé verehrte das Weib in der Idee, deshalb feſſelte ihn kein Weib, und die Weiber im Allgemeinen floh er. Madame Le⸗ brun, die Vorleſerin der Frau von Monteſſon, von welcher ſpäter die Rede ſein wird, war ihm unter den Frauen ſeiner Bekanntſchaft der liebſte Umgang, da das weihevolle Andenken, das ſie ihrem verſtor⸗ benen Gatten bewahrte, als das poeſievolle Element des ewig Weiblichen von dem reinen Dichtergemüth erkannt und hochgeſchätzt wurde.

Beide alſo, die Witwe und ihr Freund, ſahen, als am Abend der kleine Kreis im Salon der Ma⸗ dame Bourſault um die dampfende Bowle ſich reihte, dem verſprochenen Erſcheinen der von Racine begei⸗ ſterten Köchin mit einem Gefühl entgegen, das der Wehmuth über den Scherz, welchen man ſich zwei⸗ felsohne erlauben wollte, näher kam, als der Neu⸗ gier. Während die geſchäftige Wirthin des Hauſes in der Eile die beaux restes des Nachtiſches: den zar⸗