179
genommen, ſterben wie Taſſo und Carlos, ehez die Gemeinheit ihre Schatten auf das Edle geworfen. Aber Herr mein Heiland, wohin verirre ich mich!— rief ſie plötzlich mit allem Ausdruck ſelaviſcher Angſt ſich unterbrechend.— Statt in der chriſtlichen Reli⸗ gion und in den Legenden unſerer Heiligen, wo die Lehre von der Vergänglichkeit alles Irdiſchen und von dem Fürſten der Finſterniß, der unſer zeitliches und ewiges Wohl gefährdend die Welt durchzieht, auf jedem Blatte mit feurigen Lettern eingegraben iſt— ſtatt in der ewigen Wahrheit göttlicher Offen⸗ barung ſuche ich die Beweiſe für dieſe Wahrheit in— faſt heidniſchen Dichtern. Siehſt Du nun wohl Henriette, welche Gefahr es für mein Seelenheil wäre, in Eure Welt, verlockender Täu⸗ ſchungen, in Euer Sodom und Gomorra, das wahn⸗ witzige Dichter mit dem Roſenſchein poetiſcher Ver⸗ klärung umdämmern, zurückzukehren?— O verlaſſe auch die Schwelle dieſer heidniſchen Götzenengel, fliehe die Verſuchungen— entreiße Dich der Ge⸗ fahr, ehe ihr ſüßer Duft Dich berauſcht und Deine Willenskraft lähmt— denn keine entrinnt ihr, die ein warmes Herz in der Bruſt trägt.“ 12*


