Teil eines Werkes 
4. Bd. (1873)
Entstehung
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Thürme, ſteile Dächer, hier ſchärfer hervortretend, dort verſchwimmend: die ſchöne ſtattliche Kaiſerſtadt, ſeit einer Woche im Beſitz der Franzoſen.

Am Mittag des dreizehnten Mai 1809 waren die Franzoſen mit klingendem Spiel und goldenen Adlern in die innere Stadt eingerückt. In Schönbrunn hatte der Kaiſer Napoleon ſein Hauptquartier aufgeſchlagen.

Kaum anderthalb Monate währte der Krieg. Wie er es Egbert drohend verſprochen, hatte ihn Napoleon in gewaltigen, überraſchenden Schlägen geführt. Schmäh⸗ lich waren die Hoffnungen der Oeſterreicher zu Schanden geworden.

Statt am erſten März, wie es Stadion geglaubt, war die große Armee, die unter dem Erzherzog Karl ſich in Böhmen geſammelt hatte, erſt in den erſten Tagen des April aufgebrochen. Bald hatte es an dieſen, bald an jenen Gegenſtänden der Ausrüſtung gefehlt. Die Nach⸗ richt, daß Napoleon ſelbſt auf dem Kriegsſchauplatz gleich im Beginn des Feldzugs als oberſter Feldherr erſcheinen, daß man vielleicht vor ſeinen Rüſtungen einen kurzen Vorſprung, aber keinen vor der Blitzge⸗ ſchwindigkeit ſeiner Gedanken haben würde, hatte lähmend auf den Geiſt des Erzherzogs gewirkt. Den Marſchällen des Kaiſerreichs fühlte er ſich ebenbürtig, vor dem Genius Napoleon's war der ſeine befangen. Sein Ver⸗