Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Die Kunden wurden täglich weniger, die Ein⸗ nahmen geringer und Frau Bieberich, bei ihrem ſehr belebten Geſchäfte eines ſehr fleißigen, kunſter⸗ fahrnen Geſellen höchſt bedürftig, erklärte dem bei⸗ nahe unbrauchbaren Philipp ſchon nach einigen Wochen, daß er ſein Bündel zu ſchnüren und ſich ſonſt wo Arbeit zu ſuchen habe.

Wittwe Bieberich, eine junge, ſchöne Frau, war lebensluſtig, und trank gern gut, liebte den Putz und zuüͤrnte nicht, wenn ein hübſcher Mann ſich ihr traulich näherte und ihren Reizen huldigte.

Philipp hatte ſie ganz durchſchauet und durfte aus ihrem Benehmen die volle Ueberzeugung ſchöpfen, von ihr ſehr ungern und nur deswegen aus der Arbeit gewieſen zu werden, weil er als Handwerker nicht das leiſten konnte, was das Ge⸗ ſchäft forderie.

Für Philipp war das Austreten aus dieſem Hauſe die allerfatalſte Sache. Frau Bieberich ge⸗ noß einen guten Ruf, er hatte ſich unbeſcholten be⸗

tragen, dadurch das Vertrauen ſeiner Meiſterin und

der Nachbarſchaft gewonnen, durfte alſo verſichert

ſein, ſo manchen ſeiner Raubpläne in dieſer Stadt

auszuführen, ohne daß man in ihm nur einen Mit⸗ wiſſer der Verbrechen ahnen möchte.