bitterem Groll. Und ich ſollte den einzigen Sproͤß⸗ ling eines herrlichen Stammes, der meinem Mann oft Schatten und Schirm gab, nicht ſorglich pflegen, daß er gedeihe und Frucht trage? Sieh', ich habe jetzt Niemand, mein einziges Kind ward in das Geſchick ſeines Vaters gezogen und die Wellen raubten mir beide. Du ſollſt mir den Sohn er⸗ ſetzen; ich aber will dir eine treue Muttet ſeyn, und der Heiland, welcher noch unter den Martern G ſeiner Henker mit verzeihender Milde ſprechen konnte: Vater vergieb ihnen; ſie wiſſen nicht was ſie thun, V ſtaͤrke mich und gebe mir Kraft, zu äfühen⸗ was V G
ich verſprach.“
Bei dieſen Worten hatte die wackere Matrone des neuen Pflegekindes Haupt mit beiden Haͤnden umfaßt und druͤckte es muͤtterlich an ihre Lippen.
Die Umſtehenden ſchuͤttelten uͤber der Alten Thun und Reden bedaͤchtig die Haͤupter und ver⸗ meinten einigen Wahnſinn in Allem zu erwittern, was die Matrone trieb. Einige Weltkluge ziſchelten ſich wohl gar ſpoͤttiſch zu:„Die Alte will fuͤr et⸗ was Beſſeres gelten, als andere Chriſtenmenſchen; darum nimmt ſie den an Sohnes ſtatt an, deſſen Bruder ihren Mann und Sohn meuchleriſch uͤber


