das er beſaß, und ſo einſt ſelbſt in die Lage eines Hilfsbedürftigen zu gerathen.
Zur Schande unſeres armen Geſchlechtes muß ich hier bemerken, daß Doctor Servans nicht immer nach Verdienſt belohnt worden war, und daß er da, wo er Wohlthaten geſäet, zuweilen den gröbſten Undank geerntet hatte.
Trotzdem daß der brave Mann mehr denn ſpar⸗ ſam lebte, fand er ſich doch bei ſeinem ſo beſchränk⸗ ten Einkommen gar oft gezwungen, ſeinen Drang, den Andern Gutes zu thun, zu mäßigen, denn er mußte wohl auch, ſo großes Mitleid ihm alle Leiden⸗ den einflößten, an ſich ſelbſt ein bischen denken, um nicht ſelbſt der Wohlthätigkeit anheim zu fallen— jener Tugend, die man zwar bei denen, die ſie üben, gar ſehr bewundert, die aber von ihren Bewunderern nur wenig geübt zu werden pflegt.
Es hatte nicht wenige ſchlechte Menſchen gegeben, die in Doctor Servans nicht einen Geſandten der Vorſehung erblickten, den ſie hätten ſegnen ſollen, ſondern einen guten Alten, den man ausbeuten mußte; und waren ſolcherlei Kranke ſo weit wieder herge⸗ ſtellt, daß ſie wieder an die Arbeit gehen konnten, ſo waren ſie im Bette liegen geblieben, um ſich auf Koſten des Arztes es wohl ſein zu laſſen.
Anfangs hatte Doctor Servans von dieſen Nie⸗ derträchtigen ſich hinters Licht führen laſſen; allmäh⸗ lig aber hatte, da er von Haus aus ein Philoſoph war, die ſtete Berührung mit ſolchem Egoismus ſein Herz verhärtet, ſo daß er, wenn er überzeugt war, daß er gethan, was er thun konnte, und daß der Kranke wieder hergeſtellt war, ganz unbarmherzig zu
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