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Das junge Mädchen fuhr zuſammen und ohne den Mann mit der Schnarre weiter ſingen zu laſſen, eilte ſie auf ihn zu und redete ihn an.
»Ach, Sir,“ rief ſie,„ich bitte Euch, ſagt mir, wer ſeyd Ihr? Warum fingt Ihr zu dieſer Stunde vor dieſem Gefäng⸗ niß dieſe traurigen Verſe? Befindet ſich vielleicht hinter die⸗ ſen Mauern Jemand, welcher morgen ſterben ſoll? Wenn dies der Fall iſt, wie heißt dann dieſer Unglückliche?«
Der auf dieſe Weiſe angeredete Mann prallte, anſtatt dieſe mehrfachen Fragen zu beantworten, zwei Schritte zurück und rief:
»Hebe Dich weg, Satan!«
»Habt Ihr mich denn nicht verſtanden? Wenn Ihr Gott fürchtet, o dann weigert Euch nicht, mir zu antwor⸗ ten,« entgegnete das Mädchen mit bittender Stimme und in⸗ dem ſie ſich mit gefalteten Händen wieder dem ſeltſamen Manne näherte, welcher furchtſam vor ihr zu fliehen ſchien. Plötzlich zog er unter ſeinem weiten, groben wollenen Mantel eine Blendlaterne hervor, deren Licht er auf das Geſicht der Unbekannten fallen ließ.
»Bei dem Gedächtniß Eduards des Bekenners,« mur⸗ melte er,„mit einem ſolchen Geſicht und ſolchen Thränen iſt man nicht, was man zu ſeyn ſcheint!«—
Dann näherte er ſich gleichſam unwillkürlich und ſagte:
»Ich bin der Küſter an der Kirche zum heiligen Grabe und werde als ſolcher von der Schneiderinnung bezahlt, um die zum Tode Verurtheilten in chriſtlicher Weiſe auf ihr Ende vorzubereiten.«
»Es gibt alſo hier einen zum Tode Verurtheilten?« fuhr das junge Mädchen mit ſteigender Gemüthsbewegung fort, indem ſie die Hand nach dem Gefängniſſe ausſtreckte.


