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des Schloſſes, die in den Strahlen des Mondes funkelten, erblickte, verſchwanden die reizenden Träume, denen er ſich hingab, und ſeine Gedanken nahmen unmittelbar eine beſtimmtere Richtung an.
Anſtatt der beiden reizenden Geſichter der Mäd⸗ chen, welche bis dahin ihm zur Seite gewandelt waren, zeigte ihm ſeine Einbildungskraft das ſtrenge und drohende Profil ſeiner Mutter.
Man weiß, welche tiefe Furcht die Bardnin Michel ihrem Sohn einflößte.
Der junge Mann hielt an.
Hätte er in der Umgegend auf eine Meile weit ein Haus oder eine Schenke, wo ein Nachtlager zu finden geweſen wäre, gekannt, ſo würde er, ſo leb⸗ haft waren ſeine Beſorgniſſe, erſt am Morgen in das Schloß zurückgekehrt ſein. Es war zum erſten Mal, nicht daß er außer dem Hauſe ſchlief, ſondern daß er ſo ſpät daran war, und er fühlte inſtinct⸗ mäßig, daß man um ſeine Abweſenheit wiſſe und daß ſeine Mutter wache.
Und was ſollte er auf die ſchreckliche Frage antworten?
„Woher kommſt Du?“
Courtin allein konnte ihm eine Freiſtätte ge⸗ währen, aber wenn er Courtin darum bat, mußte er ihm Alles ſagen, und der junge Mann fühlte die ganze Gefahr, die damit verbunden war, einen Mann wie Courtin zum Vertrauten zu machen.
Er entſchloß ſich alſo, dem mütterlichen Grimm Trotz zu bieten, aber wie der Verurtheilte ſich ent⸗ ſchließt, dem Schaffot zu trotzen, das heißt, weil er nicht anders kann, und ſetzte ſeinen Marſch fort.
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