Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Nie habe ich den Bettler abgewieſen, welchen die heilige Anna an meinen armen Herd ſandte. Ich habe die Gebote Gottes und der Kirche befolgt. O nein, Mademoiſelle, es iſt ein ſchöner Tag für uns, die wir arme Chriſten ſind, dieſer Tag des Todes; ſo unwiſſend ich bin, ſo verſtehe ich doch, daß er es iſt, der uns allen den Großen, allen den Glücklichen der Erde gleich macht. Iſt er für mich gekommen, dieſer Tag, ruft Gott mich zu ſich, ſo bin ich bereit und werde vor ſeinem Richterſtuhl voll Hoffnung auf ſeine Barmherzigkeit erſcheinen.

Tinguy's Geſicht hatte ſich verklärt, als er dieſe Worte ausſprach; aber die letzte fromme Begeiſte⸗ rung des armen Bauern erſchöpfte vollends ſeine Kräfte.

Er fiel ſchwer auf ſein Bett zurück und ſtammelte nur noch einige unverſtändliche Worte, unter welchen man noch Blaue, Kirchſpiel, den Namen Gottes und der heiligen Jungfrau unterſchied.

Der Pfarrer trat in dieſem Augenblick ein, Bertha zeigte ihm den Kranken und der Prieſter, auf der Stelle begreifend, was ſie von ihm erwartete, begann ſogleich die Gebete für Sterbende.

Michel flehte Bertha an, ſich zurückzuziehen, und da das Mädchen einwilligte, gingen ſie beide hinaus, nachdem ſie ein letztes Gebet zu den Häupten des armen Tinguy geſprochen hatten.

Die Nachbarn kamen nach einander an; jeder kniete nieder und wiederholte nach dem Prieſter die Sterblitaneien.

Zwei kleine gelbe Wachslichter, neben einem kupfer⸗ nen Crucifix aufgeſtellt, erhellten dieſe traurige Scene.

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