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Unglücklicherweiſe für Michel war es ſchwer, ſich mit etwas anderem, als dem Kranken zu beſchäftigen.
Tinguy's Zuſtand verſchlimmerte ſich von Stunde zu Stunde.
Er war in jenen Zuſtand der Erſtarrung und Ge⸗ fühlloſigkeit verfallen, welcher von den Aerzten Coma⸗) genannt wird und bey Entzündungskrankheiten die dem Tod vorangehende Periode charakteriſirt.
Er ſah nicht mehr, was um ihn vorging; er ant⸗ wortete nicht mehr, wenn man das Wort an ihn richtete; ſeine Pupille, ſchrecklich erweitert, blieb ſtarrz er war beinahe ganz unbeweglich. Nur von Zeit zu Zeit verſuchten ſeine Hände die Decke vor ſein Geſicht zu ziehen, oder eingebildete Gegenſtände, die er auf ſeinem Bett wahrzunehmen glaubte, ſich näher zu bringen.
Bertha, die trotz ihrer Jugend mehr als einmal ſolchen traurigen Scenen beigewohnt hatte, konnte ſich keinen Illuſionen über den Zuſtand des armen Bauern hingeben; ſie wollte Roſine die Qualen beim Anblick des Todeskampfes ihres Vaters erſparen, eines Todes⸗ kampfes, deſſen Beginn ſie von einem Augenblick zum andern erwartete, und befahl ihr, den Doctor Roger zu holen.
„Aber, wenn Sie wollten, Mademoiſelle,“ ſagte Michel,„ſo könnte ich dieſen Gang machen; ich habe beſſere Beine als das Kind, überdieß iſt es nicht ſehr klug, ſie auf Straßen der Nacht auszuſetzen.“
„Nein, Herr Michel; Roſine läuft keine Gefahr und ich habe Gründe dafür, Sie in meiner Nähe zu behalten. Iſt das Ihnen denn unangenehm?“
*) Schlafſucht.


