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was Du hier thuſt, nicht geſetzlich iſt und Du Frei⸗ heit und öffentliche Ordnung antaſteſt.“
„Wie?“ ſagte Courtin,„ſtören die Hunde der Wölfinnen nicht die öffentliche Ordnung, indem ſie in der verbotenen Zeit auf meinem Grund und Boden jagen, und ſteht es mir nicht frei, ſie zu pfänden?“.
„Sie ſtören die öffentliche Ordnung nicht, Cour⸗ tin, ſie verletzen Privatintereſſen, und Du haſt kein Recht, ſie zu pfänden, ſondern nur, es zu Protokoll zu nehmen.“
„Ahl das Alles iſt ſehr lang, und wenn man die Hunde jagen laſſen und ſich damit begnügen muß, es gegen ſie zu Protokoll zu nehmen, ſo ſind nicht mehr die Menſchen frei, ſondern die Hunde.“
„Courtin,“ ſprach der junge Mann mit jenem kleinen Anflug von Amtswürde, der mehr oder weniger bei jedem Menſch, der einen Geſetzes⸗Codex durchgeblättert hat, vorkommt,„Du begehſt hier denſelben Irrthum, wie viele Leute, Du verwech⸗ ſelſt Freiheit mit Unabhängigkeit; Unabhängigkeit iſt die Freiheit der Menſchen, welche nicht frei ſind, mein Freund.“ 3
„Aber was iſt dann die Freiheit, Monſieur Michel?“
„Die Freiheit, mein lieber Courtin, beſteht dar⸗ in, daß Jeder zum Nutzen Aller auf ſeine perſön⸗ liche Unabhängigkeit verzichtet; aus dieſem allge⸗ meinen Fonds von Unabhängigkeit ſchöpft ein ganzes Volk oder jeder Bürger ſeine Freiheit; wir ſind frei und nicht unabhängig, Courtin.“
„O!“ erwiderte Courtin,„das Alles verſtehe
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