Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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ſie las niemals einen Rechenſchaftsbericht der Zucht⸗ polizei in ihrem Journal, ohne beides, Welt und Jahr⸗ hundert, der ſchwärzeſten Immoralität anzuklagen; wenn man ſie hörte, datirte das Zeitalter des Auf⸗ ruhrs von 1800; auch war ihre größte Sorge ge⸗ weſen, ihren Sohn vor der Berührung mit den Ideen des Tags zu bewahren, indem ſie ihn fern von der Weltund ihren Gefahren erzog. Nie wollte ſie für ihn von einer öffentlichen Erziehung hören; ſelbſt die Jeſuiten⸗Anſtalten waren ihr verdächtig, wegen der Leichtigkeit, womit die guten Väter ſich den ſocialen Verpflichtungen der jungen Leute, die man ihnen anvertraute, akkommodirten; und wenn der junge Michel einige Lectionen von Fremden er⸗ hielt, zu welchen man wegen der zur Erziehung eines jungen Mannes unentbehrlichen Künſte und Wiſſenſchaften ſeine Zuflucht nehmen mußte, ſo ge⸗ ſchah dieß nie anders als in Gegenwart ſeiner Mut⸗ ter und nach einem von ihr genehmigten Programm, welche es allein auf ſich nahm, die Richtung zu be⸗ ſtimmen, die ſeinen Ideen, ſeinen Arbeiten und vornehmlich dem moraliſchen Theil jener Erziehung zu geben war.

Es bedurfte einer ziemlich ſtarken Gabe von Intelligenz, welche Gott in dieſen jungen Kopf ge⸗ legt hatte, daß er geſund und wohlbehalten die Tortur überſtand, der er ſeit zehn Jahren unter⸗ worfen war.

Er überſtand ſie, aber wie wir geſehen haben, ſchwach und unentſchieden und ohne etwas von jener Stärke und Entſchloſſ

enheit zu beſitzen, welche den