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Tag über gar nicht abgeſchoſſen worden war; überdieß konnte der Jäger auf dem Punkte, wo er aufgeſtellt war, ſeinem Opfer nur von der rechten Seite beikommen und Baron Michel war auf der linken Seite getroffen.
Die Vorunterſuchung blieb alſo hiebei ſtehen. Man war genöthigt, den Tod des Baron Michel dem Zufall zuzuſchreiben und nahm an, eine ver⸗ irrte Kugel habe, wie es bei Treibjagen ſo oft geſchieht, ihn ohne eine ſchlimme Abſicht von Seiten deſſen, dem ſein Gewehr losgegangen war, getroffen.
Inzwiſchen erhielt ſich doch in der Gegend ein unbeſtimmtes Gerücht von einer Handlung der Rache. Man ſagte, aber man ſagte ganz leiſe, wie wenn jeder Ginſterbuſch noch die Flinte eines Chouan hätte verbergen können, man ſagte, einer der alten Soldaten von Jolly, Ducoötus und Charrette habe an dem unglücklichen Lieferanten die Sühne für ſeinen Verrath und den Tod der drei berühmten Führer vollzogen; aber es gab zu viele bei dem Geheimniß intereſſirte Leute, als daß man eine directe Anklage je darauf hin hätte formuliren können.
Die Baronin Michel de La Logerie blieb alſo Wittwe mit ihrem einzigen Sohne.
Die Baronin Michel war eine jener Frauen mit negativen Tugenden, wie man ſie in der ganzen Welt trifft; von Laſtern beſaß die Frau Baronin nicht den Schatten; von Leidenſchaften hatte ſie bis jetzt ſelbſt den Namen noch nicht gekannt; mit ſieb⸗ zehn Jahren in den Pflug der Ehe geſpannt, war ſie in der ehelichen Furche fortgegangen, ohne zur
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