Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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welche gerufen hatte, vor dem Zaun, welcher dem Felde Meiſter Courtins zur Communication mit dem ſeines Nachbars diente.

Dieſe Perſon, dieſe Dame mochte vierzig bis fünfundvierzig Jahre alt ſein. Verſuchen wir, ſie unſern Leſern zu ſchildern.

Ihr Geſicht war unbedeutend und ohne andern Charakter, als einer Miene affectirten Hochmuths, welcher mit ihrer gemeinen Tournure in Wider⸗ ſpruch ſtand; ſie war klein und dick; ſie trug ein ſeidenes Gewand, allzu reich für Jemand, der auf dem Felde herumläuft, und ohne ihren Hut, deſſen roher, wallender Batiſt auf ihr Geſicht und ihren Hals zurückfiel, Jätte man glauben können, ſo ge⸗ ſucht war der Reſt ihrer Toilette, daß ſie eben einen Beſuch in der Chauſſée d'Antin oder im Faubourg St. Honoré gemacht habe.

Es war die Perſon, deren künftige Vorwürfe zum Voraus dem armen jungen Mann eine ſo große Beſoraniß einzuflößen geſchienen hatten.

Ei wie! Du biſt hier, Michel? Wahrhaftig, mein Freund, Du haſt ſehr wenig Vernunft und ſehr wenig Rückſicht für Deine Mutter; vor mehr als einer Stunde hat die Glocke des Schloſſes Dich zum Diner gerufenz Du weißt, wie ſehr ich das Warten verabſcheue, wie ſehr ich auf ein gut ge⸗ regeltes Mittagsmahl halte, und da finde ich Dich ruhig mit dieſem Bauern ſchwatzen. e

Michel begann eine Entſchuldigung zu ſtammeln, aber beinahe in demſelben Augenblick bemerkte das Auge ſeiner Mutter das, was Courtin entgangen war, oder worüber er keine Erklärung hatte ver⸗